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Pfister Theophil · Nationalrat · 2010-06-17

Pfister Theophil · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-06-17

Wortprotokoll

Die Schweiz ist ein Schützenland, und Schützenfeste, die mit der persönlichen Armeewaffe besucht werden, sind hierzulande weit verbreitet und nichts Aussergewöhnliches. Die Annahme dieser Initiative hätte für das nationale Schiesswesen und das Vertrauen der Schützen in den Staat enorme Folgen. Es wäre schlichtweg eine Entmündigung der Miliz, und es wäre das Ende unzähliger Schützenfeste. Es wäre das Waterloo für grosse und wichtige schweizerische Verbände und Traditionen, und es wäre auch das Ende des grössten Sportanlasses der Schweiz, des Eidgenössischen Feldschiessens mit 150 000 aktiven Teilnehmern.

Unsere heutige Debatte erzeugt eine künstliche Aufregung darüber, was alles mit Waffen geschehen könnte. Es wurde aber nichts dazu gesagt, welche positiven Wirkungen die Initiative haben könnte: Es gibt nämlich keine positiven Wirkungen! Es werden Zahlen und einzelne Vorfälle ohne Bezug zum Inhalt der Initiative herumgeboten. Aufgezeigt wird ein gesellschaftliches Problem, aber nicht ein echtes Waffenproblem. Das heisst nicht, dass nicht ein gewisses Verständnis für jene Frauen besteht, die sich mit einer Waffe im Haushalt schwertun. Da können gute Lösungen gefunden werden.

Ein Verbot der privaten Aufbewahrung von Armeewaffen bringt aber wirklich nichts. Wer will, kann heute schon seine Dienstwaffe gratis in einem Zeughaus lagern. Einige Länder ohne Schützentradition wie etwa England haben in der Vergangenheit sogar ein Waffenverbot erlassen - ein Erfolg wurde nirgends nachgewiesen. Wichtig ist das nationale Waffengesetz, das in der Schweiz das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit ganz verbietet. Dies ist vielen Personen viel zu wenig bewusst.

Die Initiative, die einen irreführenden Namen trägt, ist darum kein Weg zu mehr Schutz und Sicherheit. Vielmehr ist es ein Angriff auf unsere einmalige, jahrhundertealte Schützentradition. In der Konsequenz bedeutet die Initiative eine weitgehende Vernichtung des sportlichen, des ausserdienstlichen und des traditionellen Schiessens in der Schweiz. Dazu sind viele weitere Anlässe wie das Eidgenössische Schützenfest, das demnächst in Aarau mit dem Jugendtag beginnt, viele kantonale Schützenfeste und unzählige regionale Schützenfeste, aber auch viele historische Gedenkschiessen gefährdet. Die Teilnehmer an all diesen Anlässen brauchen das persönliche Sportgerät im Hause. Darüber sollten wir nachdenken, das ist das Zentrale dieser Initiative. Der Schweizer Schiesssportverband, der die Zahlen klar auf den Tisch gelegt hat, ist der viertgrösste Sportverband in der Schweiz. Er ist auch der Dachverband für über 3100 Schützenvereine. Dieser grosse Verband würde marginalisiert, und die Freiwilligenarbeit in den Vereinen würde zerstört, wenn wir den Weg der Initiative gehen wollten. Der Schaden auch in der wichtigen Jugendarbeit wäre eminent.

Ich bin mir fast sicher, dass die Initianten, die mithilfe einer Zeitschrift diese Initiative ergriffen haben, sich der Konsequenzen des Initiativtextes überhaupt nicht bewusst waren. Wollten sie wirklich das Eidgenössische Feldschiessen, die Jungschützenkurse, das Schiesswesen insgesamt vernichten? Heute ist es zu spät, um den Initiativtext zu ändern. Wir können die Initiative nur noch ablehnen, um Schlimmeres zu [PAGE 1102] verhindern. Die Schützenvereine, die hier im Kern betroffen sind und die sich zu 85 Prozent auf die betroffenen Armeewaffen abstützen, sind eines der stärksten und tragfähigsten Bindeglieder in unserer Gesellschaft. In den Vereinen treffen alle Aktiven, Jung und Alt, unterschiedslos zusammen, messen ihre Fähigkeiten und diskutieren. Sie leisten damit zusätzlich einen Beitrag zur Sicherheit unseres Landes. Die Synergien zwischen dem Willen zur Unabhängigkeit unseres Landes und dem Schiesssport sind unbestritten.

Der Schiesssport ist ein sicherer Sport. Er wird immer häufiger auch von Frauen betrieben. Mir fehlt die Zeit, um noch mehr Fakten aufzuführen. Die Initiative wird wohl nicht angenommen, davon bin ich überzeugt. Sie ist und bleibt ein Etikettenschwindel. Wir Schützen sagen darum ganz klar Nein zu diesem Angriff auf unsere Werte, auf unseren Sport, auf unsere Traditionen und auf unsere gemeinsame Sicherheit. Die Schweiz ist ein sicheres Land, und unsere Schützen haben dazu einen grossen Beitrag geleistet.