Guhl Bernhard · Nationalrat · 2013-06-19
Guhl Bernhard · Nationalrat · Aargau · Fraktion BD · 2013-06-19
Wortprotokoll
Zuerst möchte ich dem Bundesrat danken, dass er die Motion der UREK-NR zur Annahme beantragt und damit verspricht, die Forschung im Bereich der Bienen und des Bienensterbens voranzutreiben, und dass er auch der Motion 13.3367 der WBK-NR, also den Massnahmen zur Reduktion der Risiken für die Bienen, zustimmt.
Frau Pieren hat bei der Erläuterung zur Begründung des Minderheitsantrages erwähnt, dass es keinen Nachweis dafür gebe, dass zwischen den Winterverlusten und den Pestiziden ein Zusammenhang besteht. Das ist direkt gesehen richtig: Die hauptsächlichen Winterverluste basieren auf den Varroamilben. Es ist jedoch so, wie ich eingangs in meinem Votum als Kommissionssprecher erläutert habe, dass die Bienenvölker durch vergiftete Bienen im Verlauf des Sommers geschwächt werden und dass schwache Völker, die eingewintert werden, nachweislich den Winter eher nicht überleben. Es ist also durchaus ganz logisch, dass Pflanzenschutzmittel einen Einfluss haben. Aber wie gesagt: Wir haben die Motion der UREK, die da die Forschung vorantreiben will. Im Rat sind wir uns alle einig, dass man die Forschung vorantreiben muss. Sie müssen jedoch einfach wissen: Imker, die durch eine Krankheit oder eine Vergiftung sämtliche Völker in ihrem Bienenhaus verlieren, sind oft so frustriert, dass sie dann aufhören zu imkern. Die Schweizer Imkerei, das müssen Sie hier drin einfach wissen, basiert hauptsächlich auf Hobby-Imkerei. Wir haben nun dank dem Film "More than Honey" wohl einen Zuwachs bei den Bienenkursen in den Imkervereinen. Das sehe ich jedoch als einen kurzlebigen Trend an; das ist nichts Nachhaltiges. Ein [PAGE 1068] langjähriger Imker aber, der alle seine Völker verloren hat, hört vielleicht auf zu imkern. Wenn dann zu viele Imker aufhören, ist das sehr schlecht für unsere Landwirtschaft.
Frau Pieren hat noch gesagt, dass die Motion 13.3367 quasi ein Verbot der Pflanzenschutzmittel verlange, und auch Herr Parmelin hat gesagt, dass sie quasi in ein Verbot münden würde. Das ist nicht richtig: Die Motion 13.3367 verlangt ganz klar eine Reduktion der Risiken und einen reduzierten Einsatz und kein einziges Verbot.
Walter Müller ist dann in seiner Frage auf die Karotten eingegangen. Hier möchte ich erwähnen, dass das Bundesamt für Landwirtschaft derzeit für zwei Jahre drei Neonicotinoide zur Behandlung von Raps und Mais sistiert hat; es ist einzig die Motion 13.3368, die dann Deltamethrin noch zusätzlich verbieten möchte. Dass es Alternativen gibt - das war ja die Frage -, zeigt eigentlich der Biolandbau. Es gibt Biokarotten, die können Sie, werte Anwesende, hier draussen essen.
Zu guter Letzt möchte ich sagen, dass vielfach erwähnt wurde, dass der Nachweis fehle. Da möchte ich Sie fragen: Müssen wir wirklich warten, bis der letzte Beweis da ist und allenfalls schon zu viele Völker eingegangen sind? Tun wir nicht gut daran, eher vorsichtig zu sein und die Pestizide zu reduzieren, zu verbieten oder einmal für zwei Jahre zu sistieren und zu schauen, wie die Auswirkungen sind, bevor wir dann letztendlich keine Bienenvölker mehr haben? Der Schaden wäre viel grösser, weil der Bestäubungswert der Bienen riesig ist, viel grösser als die Gewinne durch den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln.