Fehr Jacqueline · Nationalrat · 2013-09-26
Fehr Jacqueline · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-09-26
Wortprotokoll
Vor zwei Wochen war ich im dritten Stock des Bundeshauses bei unseren IT-Fachleuten. Ich hatte ein Problem mit meinem Virenschutz. Die angesprochene Person war freundlich, wie diese Fachleute es ja immer sind. Es war ihr sichtlich unangenehm, als sie mir sagen musste: "Tut mir leid, ich kann es mir höchstens mal rasch anschauen, aber ich darf Ihnen nicht helfen; Sie müssen zu Letec oder zu sonst einem privaten Anbieter gehen." Das ist absurd! Es ist absurd, dass Ratsmitglieder, die nicht das offizielle Gerät benützen, von den IT-Fachleuten nicht einigermassen adäquat unterstützt werden können.
Absurd ist es auch, dass Mac-User bis heute das neue Angebot der Farbdrucker im Parlament nicht nutzen können, weil es eben noch nicht eingerichtet ist.
Ich gebe zu, dass das nicht der wichtigste Vorstoss für die Schweizer Politik ist, aber vielleicht können Sie ja doch zuhören.
Man greift sich ob solcher Dinge an den Kopf und fragt sich, was das eigentlich soll. Wenig erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch die Stellungnahme des Büros, wohl im Wesentlichen verfasst von den Verantwortlichen des Informatikdienstes. Die Stellungnahme ist auch deshalb etwas seltsam, weil die Motion immerhin von 115 Ratsmitgliedern unterschrieben wurde. In der Stellungnahme des Büros wurde ohne jeden Spielraum vorgerechnet, wie viel ein [PAGE 1708] Support-Rolls-Royce kosten würde. Ich gebe zu, dass die Motion etwas offen formuliert ist. Der Grund liegt aber schlicht und einfach darin, dass ich keine Firmennamen nennen wollte, weder im Titel noch im Text. Sie können aber versichert sein: Die 115 Unterstützerinnen und Unterstützer wollen keinen Rolls-Royce, ein hübscher, kleiner Smart genügt ihnen auch. Wir können auch davon ausgehen, dass der Ständerat die Motion schon noch genauer anschauen und den finanziellen Rahmen so zurückstutzen wird, dass wir alle damit leben können.
Den 115 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Motion geht es nicht um eine superperfekte und teure Lösung; es geht darum, dass wir Wege öffnen, damit Leute, die in diesem Rat nicht das offizielle Gerät nutzen, bei den IT-Alltagsproblemen Schritt für Schritt besser unterstützt werden; es geht darum, dass wir Schritt für Schritt zu einem Support kommen, der Basisdienstleistungen für alle ermöglicht. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäss, dass wir die Wand zwischen den Systemen aufrechterhalten. Viele von uns arbeiten an verschiedenen Systemen, am Arbeitsplatz vielleicht mit einem PC, im Studium mit einem Mac-Book, privat mit einem i-Pad oder einem Smartphone - oder gar mit allem gemeinsam. Das gibt Schnittstellen und Koordinationsbedarf. Die Informatikdienste reagieren darauf mit einer etwas seltsamen Auswahl - müssen darauf reagieren, ich möchte sie nicht persönlich angreifen, sie müssen das tun -: Support bei gewissen Produkten wie i-Phones und i-Pads, aber bei Mac-Books dann wiederum keinen. Das ist auf die Länge keine Politik.
Der Widerstand gegen meine Motion scheint mir so heftig, dass er mich etwas misstrauisch macht. Ich bitte deshalb auch die Finanzdelegation, sich die Verträge einmal genauer zeigen zu lassen. Ich bin nämlich ob dieses heftigen Widerstands nicht ganz sicher, ob in diesen Verträgen nicht irgendwelche Exklusivklauseln mit Lieferanten stehen, die eben Flexibilität verhindern. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man sich so heftig gegen etwas so Selbstverständliches wehrt, wie es das Büro jetzt tut.
Ich bitte Sie deshalb, die Motion weiterhin zu unterstützen. Wie gesagt, es ist nicht das wichtigste politische Anliegen, würde aber das Leben in diesem Rat für viele einfacher machen.