Lexipedia

Teuscher Franziska · Nationalrat · 2012-05-03

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2012-05-03

Wortprotokoll

Ich bin der Auffassung, dass wir uns nicht nur um die artgerechte Tierhaltung in der Schweiz kümmern sollten, sondern auch eine Verantwortung für Produkte haben, die wir importieren.

Vor gut anderthalb Jahren hat ein Fernsehbeitrag in der "Rundschau" viele Leute schockiert. Es wurde gezeigt, wie in Indonesien Schlangen und Echsen grausam gequält und getötet werden, um Reptilienleder zu gewinnen. Schlangen wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, und Echsen wurden mit zusammengebundenen Beinen in einen Plastiksack gestopft. Der Beitrag wies auch darauf hin, dass die Schweiz beim Import von Reptilienleder kaum überprüft, ob die importierten Reptilienhäute artgerecht erzeugt werden, obschon unser Gesetz das eigentlich verlangt. Diese Missstände will ich mit meiner Motion beseitigen und so der tierquälerischen Herstellung von Reptilienhäuten einen Riegel vorschieben.

Ich verlange mit meiner Motion zwei Dinge: Zum einen verlange ich, dass der Bundesrat mit einer Sofortmassnahme sämtliche Importe von Reptilienleder aus Indonesien stoppt, bis geklärt ist, wie diese Häute hergestellt werden. Zweitens verlange ich, dass der Bundesrat generelle Massnahmen erlässt, damit die Schweiz nur noch Importe von Reptilienleder zulässt, das nicht auf grausame Art und Weise hergestellt wird, denn es geht nicht nur um Indonesien, es geht um den Import von Reptilienleder aus verschiedenen Ländern.

Sie haben im Hinblick auf die parlamentarische Debatte meiner Motion sowohl vom Schweizer Tierschutz wie von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten einen Brief bekommen, mit der Bitte, meine Motion zu unterstützen. Beide Organisationen sehen gesetzlichen Handlungsbedarf.

Die Schweiz ist eine Grossabnehmerin dieser tierquälerisch gewonnenen Reptilienhäute. Die Uhrenindustrie importiert mehr als eine Million Uhrarmbänder aus Reptilienleder pro Jahr. Aber auch Taschen und Schuhe aus Reptilienleder werden in der Schweiz in den Läden angeboten. Die Schweiz gehört zusammen mit China, Singapur und Saudi-Arabien zu den weltweit grössten Abnehmern von exotischen Ledern.

Erfreulicherweise haben sich einige Uhrenfirmen bereiterklärt, eine Vereinbarung mit dem Schweizer Tierschutz abzuschliessen, mit der sie sich verpflichten, keine Reptilienhäute zu importieren, die nicht tierschutzgerecht gewonnen werden. Aber es gibt leider in der Schweiz noch über hundert Unternehmen, die keine solche Vereinbarung unterzeichnet haben. Ich bin jedoch überzeugt, dass Kundinnen und Kunden in der Schweiz eigentlich davon ausgehen, dass Reptilienprodukte, die in den Läden angeboten werden, artgerecht hergestellt wurden. Schweizer Uhren sollten nicht nur in Bezug auf das Uhrwerk qualitativ top sein, sie sollten auch nicht mit Leder aus tierquälerischer Produktion versehen sein, denn das ist nicht Topqualität.

Leider ist mein Anliegen, das auch ein Anliegen der Organisationen Schweizer Tierschutz und Vier Pfoten sowie ein Anliegen von 24 000 Menschen in der Schweiz ist, die eine entsprechende Petition unterschrieben haben, beim Bundesrat nicht auf offene Ohren gestossen. Ich bin von der Stellungnahme des Bundesrates sehr enttäuscht, weil er in seiner Antwort sagt, er würde sich gegen ein Einfuhrverbot oder einen Importstopp wenden; beides ist aber gar nicht unter den Forderungen meiner Motion. Mit meiner Motion verlange ich zum einen, dass wir als Sofortmassnahme auf den Import von Leder aus Indonesien gänzlich verzichten, bis Indonesien nachweisen kann, dass die Häute, die in die Schweiz importiert werden sollen, tierschutzgerecht hergestellt werden. Zum andern verlange ich generell, dass Häute nur in die Schweiz importiert werden dürfen, wenn sie tierschutzgerecht hergestellt werden.

Einen Vorteil hat der Umstand, dass Motionen bei uns nicht so schnell behandelt werden: Die Stellungnahme des Bundesrates liegt seit dem 2. Februar 2011 vor. Der Bundesrat hat in seiner Antwort eine ganze Reihe von Massnahmen aufgezählt, um das Thema meiner Motion aufzugreifen. Daher möchte ich Herrn Bundesrat Schneider-Ammann jetzt bitten, mir nicht nur zu sagen, was der Bundesrat zu tun beabsichtigte, sondern auch, was in den Bereichen, in denen er Massnahmen vorgeschlagen hat, seit dem 2. Februar 2011 alles passiert ist.

Ich bin der Meinung, dass es gesetzlichen Handlungsbedarf gibt; so sehen es auch der Schweizer Tierschutz und Vier Pfoten. Deshalb bitte ich Sie, meine Motion anzunehmen.