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Zanetti Roberto · Ständerat · 2012-12-12

Zanetti Roberto · Ständerat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-12-12

Wortprotokoll

Die ganze Hörnergeschichte, das gebe ich zu, ist ursprünglich so ein bisschen aus Nostalgie in die Debatte gekommen. Ich bin nämlich auch, wie Frau Kollegin Keller-Sutter, die das in der Eintretensdebatte gesagt hat, genetisch nahe beim Bauernstand. Als Junge war ich jeweils auf einem Maiensäss mit Braunvieh - selbstverständlich hatte das Vieh Hörner. Dann gibt es nebst dem Nostalgieaspekt auch durchaus einen Aspekt der Ästhetik. Ich finde Kühe mit Hörnern schöner, das ist einfach so. Es ist wie bei einem Kamel ohne Buckel, einer Giraffe mit kurzem Hals, einem Elefanten ohne Rüssel - etwas fehlt einfach an diesen enthornten Kühen.

Dann habe ich mich mit der ganzen Sache ein bisschen näher auseinandergesetzt, und ich muss Ihnen sagen, jetzt ist es nicht mehr nur Nostalgie und Ästhetik, jetzt ist es für mich auch ein bisschen zu einer Herzensangelegenheit geworden. Kollege Bieri ist ein begnadeter Tierzuchtexperte, da kann ich ihm nicht das Wasser reichen. Aber hier muss man nicht Tierzuchtexperte sein. Ich habe vor Kurzem ein frisch enthorntes Kalb gesehen. Das hatte zwei fünflibergrosse schwarze Löcher im Schädel. Es kann mir niemand sagen, dass das mit Tierwohl zu tun hat. Da muss man, wie gesagt, kein Viehexperte sein, da muss man einfach ein Herz für diese Viecher haben.

In Artikel 104 Absatz 3 Buchstabe b der Bundesverfassung heisst es: "Er (der Bund) fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind." Ich muss Ihnen einfach sagen: Es gibt zweifellos Vernunftgründe, Tiere zu enthornen, aber besonders tierfreundlich ist es nicht. Genau das aber, Tierfreundlichkeit, soll entschädigt werden. Wir setzen da die Verfassungsbestimmung wortwörtlich um, ohne dass irgendjemandem etwas befohlen wird. Die Enthornerei wird nicht verboten, es wird niemand gezwungen, nicht zu enthornen, [PAGE 1212] sondern es wird einfach festgestellt: Wenn einer bereit ist, diese Viecher im Ursprungszustand zu belassen, nämlich so, wie sie der Herrgott geschaffen hat, dann soll er entschädigt werden für zusätzliche Risiken, für zusätzlichen Platzbedarf und nicht zuletzt auch für zusätzliche Marketingbemühungen im Dienste unserer Landwirtschaft und unserer Milchprodukte. Schauen Sie sich mal die Milchreklamen an. Da sind lauter behornte Kühe. Und dann, das sage ich jetzt als Bündner, stellen Sie sich das Wappentier der Bündner oder der Urner enthornt vor. Das macht wirklich einen kümmerlichen Eindruck. Es sieht aus wie irgendein schlecht geklonter Hund.

Deshalb bitte ich Sie, spielen Sie nicht denen in die Hand, die dem Herrgott ins Handwerk pfuschen, sondern helfen Sie denjenigen Bäuerinnen und Bauern, die die Tiere so belassen, wie sie eben geschaffen worden sind. Geben Sie Ihrem Herzen einen Schubs, und prämieren Sie behornte Kühe mit etwas mehr Direktzahlungen, dann werden Sie zweifellos dem Ansehen und der Tierfreundlichkeit der schweizerischen Landwirtschaft einen grossen Dienst erweisen.