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Gysi Barbara · Nationalrat · 2013-03-06

Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-03-06

Wortprotokoll

Das Gesundheitswesen wird komplexer, unübersichtlicher und auch kostenintensiver. Es hat aber auch den Hang, immer technischer zu werden. Umso wichtiger sind die Hausärztinnen und Hausärzte als erste Anlaufstelle und zur Triage. Sie kennen ihre Patientinnen und Patienten meist über viele Jahre und sind deren vertraute Ansprechpersonen. Im Übrigen können sie rund 70 Prozent der klinischen Fälle abschliessend behandeln. Gerade für ältere Menschen, und diese Gruppe ist ja stark am Wachsen, sind die Hausärztinnen und Hausärzte enorm wichtig.

Die Hausarztmedizin ist ein absolut unverzichtbarer Pfeiler unserer medizinischen Grundversorgung und entsprechend zu fördern respektive zu erhalten. Doch Hausärztinnen und Hausärzte sind sehr stark belastet und müssen oftmals riesige Arbeitspensen bewältigen, von Teilzeitmodellen ganz zu schweigen. Sie sind im Vergleich mit Spezialisten schlecht entschädigt; auch das haben wir bereits gehört.

Immer weniger Medizinerinnen und Mediziner wollen Hausärztinnen und Hausärzte werden. Es gibt also ein grösseres Nachwuchsproblem, insbesondere in Gebieten mit ländlichen Strukturen. Ein Beispiel: Im Jahre 2007 waren im Kanton St. Gallen 40 Prozent aller Hausärzte über 55 Jahre alt. Jetzt sieht es nicht besser aus - sechs Jahre später sind sie ihrer Pensionierung einen grossen Schritt näher gerückt. Aufgrund dieser alarmierenden Zahlen wurde bereits damals eine Weiterbildungsoffensive gestartet und eine zweijährige Weiterbildung zur Hausärztin, zum Hausarzt geschaffen. Letzten Herbst vermeldete zwar die St. Galler Regierung positive Resultate, doch solche Initiativen alleine reichen nicht aus.

Wenn wir wollen, dass es insbesondere auch in ländlichen Regionen in Zukunft genügend Hausärztinnen und Hausärzte gibt, müssen wir gesamtschweizerische Massnahmen treffen. Es braucht grundlegende und konzeptionelle Veränderungen und Verbesserungen. Dies wurde mittlerweile auch erkannt. Da hat die Initiative eine wichtige Anschubfunktion gehabt. Mit dem Masterplan zur Hausarztmedizin ist das Departement des Innern mit allen Akteuren daran, Lösungen zu entwickeln. Schritte werden gemacht, neue Zusammenarbeitsformen und Gruppenpraxen oder auch Ambulatorien geschaffen. Doch nach wie vor ist die finanzielle Entschädigung problematisch. Während medizinisch-technische Eingriffe von den Kassen problemlos abgegolten werden, sind Hausärzte schlecht entschädigt. Insbesondere ist die Zeit für Gespräche nur schlecht abgegolten. Ich denke, dass sie gerade da eine wichtige Funktion haben.

Darum braucht es die Initiative und den Gegenvorschlag und alle anderen Massnahmen. Denn es kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Unser Gesundheitswesen steht vor grösseren Herausforderungen, darin stellen die ambulanten Leistungen einen wichtigen Faktor dar. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, die für viele Menschen grosse Herausforderungen birgt, sind die Hausärztinnen und Hausärzte ein wichtiger Pfeiler unserer Grundversorgung. Stärken wir sie!

Ich unterstütze sowohl die Initiative wie auch den direkten Gegenvorschlag und bitte Sie, das Gleiche zu tun.