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Glättli Balthasar · Nationalrat · 2014-03-06

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2014-03-06

Wortprotokoll

Ich kann an den Themenbereich, der vorher angeschnitten worden ist, gleich anschliessen: Ich denke auch, dass die GPK gut daran tut, den Bereich der Informatik nicht nur dann zu Recht genau anzuschauen, wenn ein weiteres Mal ein Informatikprojekt völlig aus dem Ruder gelaufen ist oder an die Wand gefahren wurde. Man schaut jetzt genauer hin, wir werden das dann auch beim Bericht zu Insieme hören. Gleichzeitig gibt es dieser Tage kaum einen Morgen, an dem man die Zeitung aufschlägt und nicht von einem neuen Projekt mit gravierenden Problemen liest. Ich würde von der GPK auch erwarten, dass sie die grundlegenden Mängel benennt, ohne Rücksicht darauf, wer dann davon betroffen ist.

Der grundlegendste Mangel, den ich identifiziere, ist folgender: Informatik ist nicht einfach ein Fachbereich, den man gewissen - allenfalls outgesourcten - Spezialisten überlassen darf. Die Informatik als Grundlage des administrativen Handelns, als Grundlage der Umsetzung praktisch jeden Gesetzes ist vielmehr eine zentrale strategische Führungsaufgabe. Dieses Bewusstsein muss in jedem Departement bis hin zur höchsten Ebene, bis hin zum Bundesrat geschärft werden. Es braucht auch eine klare Sprache, wenn es darum geht, vielleicht gewisse Entscheide dieses Parlamentes zu kritisieren, strategische Entscheide zu kritisieren, die genau die vorher geschilderte Problemlage verschärfen. Es geht nämlich um die Tatsache, dass wir über die Jahre immer weniger Leute direkt in diesem Bereich bei uns anstellen. Das gibt dann eine scheinbare Kostenersparnis, führt aber dazu, dass man am Schluss eine Kernkompetenz von aussen einkaufen muss und damit genau in die Abhängigkeiten gerät, die von meinem Vorredner so treffend geschildert wurden.

Es ist eben nicht so, dass wir nur der Patient sind und sagen: Okay, wir brauchen einen Arzt von aussen. Wir müssten vielmehr selbst Ärzte bei uns haben, die beurteilen können, ob die Lösungen, die von aussen angeboten werden, auch tauglich sind, die beurteilen können, ob eine Projektorganisation zielführend ist, die beurteilen können, ob die technischen Lösungen auch geeignet sind, um das Problem materiell, fachlich zu lösen.

Zum Schluss noch etwas - ich weiss, es ist schwierig, aber die GPK muss sich auch um schwierige Sachen kümmern -: Es ist auch eine Frage der Kultur. Wir brauchen nämlich, speziell bei so komplexen Projekten, eine Kultur des Vertrauens und eine Fehlerkultur, die es zulässt, dass man innerhalb der Verwaltung bei einem Projekt, das ausser Rand und Band gerät, schon dann offen nach oben informieren kann, wenn das Projekt noch nicht gescheitert ist, wenn man noch eine Lösung finden kann. Da tragen vermutlich die Schlagzeilen nicht dazu bei, dass dies geschieht. Hier ist es dann auch eine Führungsaufgabe, hinzustehen und zu sagen: Ich habe es lieber, wenn mir ein Projektmanager oder ein Projektverantwortlicher die Probleme bereits dann rapportiert, wenn sie noch lösbar sind - und nicht erst dann, wenn das ganze Geld schon ausgegeben worden ist, ohne dass man irgendetwas Brauchbares gestaltet hat.