Feri Yvonne · Nationalrat · 2012-06-04
Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-06-04
Wortprotokoll
Ich bedanke mich, dass Sie noch ausharren. Ich habe sieben Minuten, also belästige ich Sie nicht allzu lange.
In diesem Teil der Berichterstattung beziehe ich mich auf die SBB, die Post, Swisscom und Skyguide. Auch wenn die Oberaufsicht über diese Institutionen beim Bundesrat liegt, lohnt sich ein vertiefter Blick. Bei allen vier Organisationen habe ich die Kundenzufriedenheit und die Personalzufriedenheit im Fokus. Ebenso werde ich einige ausgewählte Punkte erwähnen.
Zu Skyguide: Alle zwei Jahre findet eine Umfrage bei über 1000 Piloten statt. Bei der letzten Umfrage im Jahre 2010 zeigte sich, dass 88 Prozent der Befragten mit den Leistungen von Skyguide zufrieden bis sehr zufrieden sind. Bei der Mitarbeiterbefragung wurde festgestellt, dass das Arbeitsklima und die Gleichbehandlung der Geschlechter mehrheitlich als sehr positiv beurteilt werden. Dies ist sicher auch der Sozialpartnerschaft zu verdanken.
Zur Post: Die Zufriedenheit der Privat- und Geschäftskunden befindet sich auf einem hohen Niveau. Trotzdem ärgern wir uns alle immer wieder über beispielsweise zu spät ankommende Briefe. Bei 2334 Millionen adressierten Briefen, welche die Post im Jahre 2011 zugestellt hat, relativiert sich das einzelne Ärgernis. Der Service public funktioniert gut, man muss dazu aber Sorge tragen. Dazu gehören auch gute Arbeitsbedingungen, klare Regeln, ein breites Angebot und die Rücksichtnahme auf die Randregionen.
Zu den SBB: Der Personenverkehr befindet sich immer noch auf einem starken Wachstumspfad. Die Verkehrsleistung stieg im Fernverkehr um 0,75 Prozent und im Regionalverkehr um 3,1 Prozent. Die Tariferhöhungen vom Dezember 2010 von durchschnittlich 5,9 Prozent sowie das konstante Angebot haben die Nachfrage gebremst. Dadurch können die Kapazitätsprobleme bei Rollmaterial und Infrastruktur sowie die Abnahme der Verkehrserträge pro Personenkilometer entschärft werden. Ob dies jedoch die richtige Zukunftsstrategie ist, hinterfragt die SP. Zurzeit ist Autofahren noch teurer als Bahnfahren, was aber viele Benutzer und Benutzerinnen nicht merken. Doch für gewisse Kunden und Kundinnen ist die Schmerzgrenze bereits erreicht oder wird erreicht werden, insbesondere, wenn zu Hause sowieso ein Auto zur Verfügung steht. Aus familienpolitischer und gewerkschaftlicher Sicht ist eine Erhöhung der Bahnpreise schwierig. Die Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Strasse ist sicherlich absehbar, für die Strassenbelastung jedoch negativ und vor allem für die Ökologie eine Katastrophe. Für dieses Problem, vor allem während der Stosszeiten, müssen wir Lösungen suchen und finden, sei dies durch mehr Anreize für den öffentlichen Verkehr, neue Arbeitszeitmodelle, Heimarbeitsplätze oder Ansätze für den Freizeitverkehr. Die allgemeine Mobilität wird ohne Massnahmen nicht abnehmen - insbesondere aufgrund des Bevölkerungswachstums.
Die Kunden waren insgesamt zufrieden mit den SBB. Im Personenverkehr ist die Zufriedenheit auf hohem Niveau, im Güterverkehr sowie bei den Bahnhöfen konnten die Zielvorgaben nicht erreicht werden. 89,8 Prozent aller Reisenden erreichten ihr Ziel mit weniger als drei Minuten Verspätung.
Die Mitarbeiterzufriedenheit ist eher tief. Insbesondere das Vertrauen der Mitarbeitenden in die Konzernleitung wird als kritisch beurteilt. Das macht uns Sorgen, und wir fordern, dass die SBB und auch der Bundesrat diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit schenken.
Etwas sehr Erfreuliches bei den SBB ist, dass es durch eine Schulung der Lokomotivführer zu Stromverbrauchsersparnissen im Umfang von 20 bis 30 Prozent kam. Hier sieht man an einem konkreten Beispiel, dass Bildung und Weiterbildung ein voller Erfolg sind!
Bei den SBB gibt es drei Bereiche, welche für die Bevölkerung besonders wichtig sind: Preispolitik, Sauberkeit und Ticketverkauf. Leider hat weder der Bundesrat noch das Parlament Einfluss auf diese Punkte. Die SP-Fraktion hofft darauf, dass die SBB ein besonderes Augenmerk darauf legen werden.
Die Mitarbeiterzufriedenheit bei der Swisscom ist hoch. Die Swisscom wird als fortschrittliche und dynamische Arbeitgeberin geschätzt. Auch hier besteht eine tragfähige Sozialpartnerschaft.
Die Zielerreichung der vier Konzerne ist sehr hoch. Es stellt sich die Frage, ob die gesetzten Ziele des Bundesrates die richtigen sind und ob sie nicht zu tief angesetzt werden. Die Steuerung der Unternehmungen durch den Bundesrat ist schwierig. Ein regelmässiger, offener Dialog unter den betroffenen Führungspersonen ist ebenso wichtig wie ein transparentes Reporting.
Die SP-Fraktion dankt den Bundesämtern und dem Bundesrat für die geleistete Arbeit.