Lexipedia

Germann Hannes · Ständerat · 2012-12-12

Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-12-12

Wortprotokoll

Es geht hier um die bodenunabhängige Produktion, die sinnvoll ist. Ich oute mich hier auch als Präsident des Verbandes schweizerischer Gemüseproduzenten. Die Gemüseproduzenten stellen unbestrittenermassen sehr gesunde Lebensmittel her, dies nach hohen ökologischen Standards.

Zu Unrecht wird die bodenunabhängige Produktion da und dort vorverurteilt. Es hat sich vieles geändert. Wenn Sie die Produktion, die Strukturen in unserem Land kennen, dann wissen Sie möglicherweise, dass die grosse Mehrzahl von Tomaten und Gurken beispielsweise in Gewächshäusern gezogen wird. 42,5 Prozent der Tomaten werden bodenunabhängig produziert, bei den Gurken ist es etwa ein Drittel. Es gibt also beides. Flächenmässig fallen diese Gewächshäuser ohnehin nicht ins Gewicht.

Die bodenunabhängige Produktion ist ökologisch und ressourcenschonend. Warum? Nährstoffe und Wasser werden der Pflanze sehr zielgerichtet, bedarfsgerecht und praktisch ohne Verluste zugeführt und rezykliert. Es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf. Dadurch findet die Pflanze optimale Wachstumsbedingungen vor und ist robust. Der geschlossene Nährstoff- und Wasserkreislauf sorgt dafür, dass der Boden nicht belastet wird. Weil die Pflanzen nicht in den Boden gepflanzt werden, ermüdet der Boden auch nicht. Bodenkrankheiten können dementsprechend ausgeschlossen werden, weshalb der Pflanzenschutzmittel-Einsatz deutlich reduziert werden kann. In Gewächshäusern ist der Boden immer frei, also nicht zubetoniert, auch wenn bodenunabhängig produziert wird. Es können also jederzeit auch andere Kulturen gepflanzt werden. Ausserdem ist der Einsatz von Nützlingen in Gewächshäusern weit verbreitet; dieser reduziert den Pflanzenschutzmittel-Einsatz ebenfalls.

Die bodenunabhängige Produktion ist aber nicht nur ökologisch und ressourcenschonend, sie dient auch der Versorgungssicherheit, und diese drei Dinge sind Ziele der Agrarpolitik. Die Gewächshausproduktion trägt massgeblich zur Versorgung der Schweiz bei. Dadurch, dass die krankheitsbedingten Ertragsausfälle reduziert werden können, steigt die Versorgungssicherheit. Im Notfall können Gewächshäuser zudem jederzeit rasch rückgebaut werden, um andere Kulturen anzubauen; die landwirtschaftliche Fläche bleibt somit erhalten.

Ich habe bereits erwähnt, dass der sogenannte Substratanbau, wie man das heute nennt, in Gewächshauskulturen besonders gut für Tomaten und Gurken geeignet ist. Wir sehen nämlich, was dort passiert, wo die Produktion ausschliesslich im Boden erfolgt. In den südlichen Ländern, den Mittelmeeranrainerstaaten, haben wir ausgewaschene, erodierende Böden, die Nährstoffe müssen zugeführt werden, und es gibt ein massives Bewässerungsproblem. Haben Sie übrigens gewusst, dass im weltweiten Durchschnitt 200 Liter Wasser für die Herstellung eines Kilogramms Tomaten benötigt werden? Im Gewächshaus können Sie mit Substratpflanzen durch die ganz gezielte Bewässerung und Bewirtschaftung mit den richtigen Nährstoffen mit 10 Litern Wasser pro Kilogramm auskommen. Das sollte gerade heute, da alle von Wasserknappheit und sorgsamem Umgang mit Ressourcen sprechen, doch zu denken geben. Mein Fazit:

1. Die bodenunabhängige Produktion ist ökologisch sinnvoll. Die Ressourcen Boden und Wasser werden geschont, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann reduziert werden.

2. Die bodenunabhängige Produktion ist auch ökonomisch sinnvoll, weil die Kosten dadurch reduziert werden können, die Ertragssicherheit und die Ernährungssicherheit werden damit - entsprechend den Zielen der Agrarpolitik 2014-2017 - erhöht.

Wir schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich bitte Sie, diesem Antrag und dieser Neuausrichtung einer ganzen Branche, die sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat, zuzustimmen. Es ist eine Chance. Der Nationalrat kann sich dann auch mit diesem Vorschlag auseinandersetzen. Ich bitte Sie auch, sich hier nicht auf die alte Formulierung, namentlich in der Verfassung, zu stützen, die gut und recht ist. Ich meine, dass es noch im Ermessensspielraum des Gesetzgebers liegt, dies auszuweiten. Es braucht dann auch nicht künstliche Unterscheidungen zwischen den Flächen, wenn von Bodenkulturen auf Substratkulturen umgestellt wird, denn das ist doch eigentlich einerlei.

Beides macht Sinn, und ich bitte Sie, meinem Minderheitsantrag zuzustimmen - er macht auch Sinn.

Germann Hannes · Ständerat · 2012-12-12 | Lexipedia | Lexipedia