Candinas Martin · Nationalrat · 2014-03-05
Candinas Martin · Nationalrat · Graubünden · Fraktion CVP-EVP · 2014-03-05
Wortprotokoll
Neben meiner Arbeit als Nationalrat leite ich den Innendienst der Helsana mit neun Mitarbeiterinnen an drei Standorten in den Kantonen Graubünden und Glarus - eine schöne Aufgabe.
Einmal mehr dürfen wir über die Idee der Einheitskrankenkasse diskutieren. Die vorliegende Volksinitiative "für eine öffentliche Krankenkasse" hält nicht, was sie verspricht. Weder reduziert sie die Kosten und die Bürokratie, noch steigert sie die Qualität im Gesundheitswesen. Warum?
Die Initianten versprechen, dass es einfacher und billiger wird. Ich sage Ihnen: Es wird komplizierter und teurer! Mit der Einheitskasse gibt es nur noch eine Kasse und nur noch eine Prämie pro Kanton. Der Wettbewerb zwischen den Kassen fällt weg. Es gibt dann keine günstigeren Kassen mehr, es gibt auch keine günstigeren Prämienregionen mehr, und auch interessante alternative Versicherungsmodelle entfallen. Die Konsequenz ist folgende: Wir werden erstens mehr bezahlen müssen, und zweitens könnten wir die Kasse nicht einmal mehr wechseln, wenn wir unzufrieden sind. Es besteht die Gefahr, dass der Service abgebaut wird und Innovationen auf der Strecke bleiben. Wollen wir das wirklich?
Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt. Der Zugang ist weltweit spitze, und wir schieben keinen Schuldenberg vor uns her. Die Schweiz kann sich ein gut funktionierendes System leisten. Im Vergleich mit anderen Industrienationen hatte die Schweiz bei den Gesundheitsausgaben - gemessen am BIP - in den letzten Jahren eine der tiefsten Wachstumsraten. Das System sollte deshalb weiter optimiert und reformiert werden.
Heute haben die meisten Versicherten die Grund- und die Zusatzversicherung beim Versicherer ihres Vertrauens abgeschlossen. Sie wollen die Betreuung und den Service aus einer Hand. Mit der Einheitskasse werden alle gezwungen, die Grundversicherung bei der Einheitskasse abzuschliessen. Dadurch gehen wertvolle Synergien verloren. Für die Kunden, aber auch für die Leistungserbringer wird es dadurch kompliziert: Wo muss ich welche Rechnung einreichen? Was ist, wenn auf einer Rechnung der Grundversicherung doch Nichtpflichtleistungen auftauchen? Diese Trennung würde allein die Bürokratie fördern und niemandem etwas bringen. Allein der Systemumbau zu einer Einheitskasse würde rund 2 Milliarden Franken kosten.
Den Krankenversicherern wird immer wieder Risikoselektion und Pseudowettbewerb vorgeworfen. Ich kann Ihnen versichern, der Wettbewerb unter den Versicherern ist hart und funktioniert. Seit der Einführung des KVG ist die Anzahl Versicherer von 145 auf rund 60 zurückgegangen. Heute bearbeiten 14 national tätige Versicherungsgruppen 95 Prozent des Marktes. Rund 30 kleine Versicherer sind als Nischenplayer tätig und versichern 5 Prozent der Bevölkerung. Nebenbei darf erwähnt werden, dass viele dieser kleinen Versicherer wertvolle Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen unseres Landes anbieten.
Nun hat auch der Ständerat eine weitere Verbesserung des Risikoausgleichs verabschiedet und damit die Weichen gestellt, dass sich die Versicherer künftig mehr um die optimale Betreuung von Chronischkranken kümmern. Die Versicherer haben in den letzten Jahren umfangreiche Case-Management-, Betreuungs- und Präventionsprogramme entwickelt. Leider wird darüber nur wenig berichtet.
Die Verwaltungskosten der Versicherer betragen heute gerade einmal 5 Prozent. 95 Prozent der Prämien sind durch medizinische Leistungen begründet. Wir diskutieren hier über die 5 Rappen vom Franken anstatt über die anderen 95 Rappen. Die 5 Rappen sind gut eingesetzt. Alle Versicherer kämpfen um einen guten Namen und investieren in die Kundenbetreuung und Kundenbindung. Davon profitieren die Kunden spürbar. Der Kunde soll frei wählen, wo er versichert sein will. Heute kann er dies; lassen wir ihm diese Freiheit, und diskutieren wir endlich über die anderen 95 Rappen vom Franken. Dort liegt das Sparpotenzial.
Darum ist für mich klar: Nein zu einer komplizierten und teuren Einheitskasse, die nur von den effektiven Herausforderungen im Gesundheitswesen ablenkt; Ja zu neuen Lösungen, welche bei den wahren Kosten ansetzen und die Qualität weiter steigern.