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Freund Jakob · Nationalrat · 2001-10-04

Freund Jakob · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-10-04

Wortprotokoll

Ich habe grosses Verständnis für alle Bewohner, die in dicht besiedelten Städten und verkehrsreichen Ortschaften leben müssen, wenn sie sich nach autofreien Sonntagen sehnen. Ich gönne ihnen diese Erlebnistage auch, und zwar so viele, wie das Jahr Wochen hat. Solche Autoverbotstage sind für sie ja tolle Plauschtage, denn für einen Ausflug oder einen Besuch stehen ihnen gute Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung. Die nächste Beiz und der "SonntagsBlick"-Automat sind gleich um die Ecke, und das Sportstadion oder die Kirche können problemlos zu Fuss erreicht werden.

Ganz anders sind aber die Bedürfnisse im ländlichen Raum, wo solche Tage zu eigentlichen Verzichtstagen werden. Denken Sie z. B. an die Streusiedlungsgebiete in meiner Heimat, im Appenzellerland. Haben Sie aber auch Nachsicht mit den Bewohnern in anderen Regionen der Schweiz, wo ungenügende Bahnverbindungen bestehen, das Postauto nur zweimal täglich zirkuliert oder gar kein öffentlicher Verkehr angeboten wird und das nächste Dorf mehrere Kilometer entfernt ist. Ausserdem müssen in diesen Gebieten zur Wahrung der Legalität unzählige Ausnahmebewilligungen erteilt werden, so z. B. für Schichtarbeiter und -arbeiterinnen, beim öffentlichen Verkehr und in technischen Betrieben, für das Pflegepersonal in Spitälern und Altersheimen, die Pikettleute bei Feuerwehr und Polizei, Angestellte von Tourismusanlagen, ebenso auch die landwirtschaftliche Milchabfuhr, Tierärzte usw.

Aus all diesen Überlegungen bin ich gegen die landesweite Einführung von autofreien Sonntagen und empfehle, sowohl die Initiative wie auch den Gegenentwurf abzulehnen. Ich gönne aber allen Städtern die Idylle vom autofreien Sonntag und den guten Schlaf, wie ihn Frau Teuscher erwähnt hat. Daher empfehle ich ihnen, sich dafür einzusetzen, dass die vorhandenen Gesetzesgrundlagen ausgenutzt werden und in allen Städten und verkehrsreichen Dörfern so viele autofreie Erlebnistage ausgerufen werden, wie ihnen lieb ist. Auf dem Land brauchen wir diese Vorschrift nicht; wir haben jeden Tag Erlebnistage.