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Maspoli Flavio · Nationalrat · 2001-10-04

Maspoli Flavio · Nationalrat · Tessin · Fraktionslos · 2001-10-04

Wortprotokoll

Vier autofreie Sonntage sind nichts anderes als eine reine Alibiübung. Ein autofreier Sonntag ist noch schlimmer. Das ist nämlich eine falsche Alibiübung. Warum sage ich das? Wenn man etwas macht, sollten die Fragen doch immer die sein: Was nützt es, und wem bringt es etwas? Also: Was nützt ein autofreier Sonntag? Entlastet ein autofreier Sonntag die Umwelt? Bestimmt nicht. Wird ein autofreier Sonntag dazu beitragen, dass die Leute kreativer werden, wie mein Vorredner gesagt hat? Ich glaube auch nicht. Diese autofreien Sonntage sind lediglich ein Schritt weiter zur Dämonisierung des Autos, zur Dämonisierung des Privatverkehrs. Das ist heute einer der grössten Werte unserer Gesellschaft, so scheint es: das "Gegen-das-Auto-Sein".

Herr Kollege Föhn: Selbst damit, dass man am Bettag einen autofreien Sonntag einführt, bin ich nicht einverstanden, und zwar aus moralischen Gründen. Einst war der Bettag wirklich ein Buss- und Bettag. Da herrschte Tanzverbot. Die Kinos und Theater waren geschlossen. Selbst die Wirtschaften und die Gaststätten waren zum grössten Teil geschlossen. Radio DRS sendete gedämpfte Musik, so im Stil Neoklassik.

All dies ist heute nicht mehr so. Der autofreie Sonntag hätte also mit dem Dank-, Buss- und Bettag nichts zu tun, sondern wäre, wie ich bereits gesagt habe, die Dämonisierung des Autos "hoch zwei": eine Alibiübung für Leute, die ihren Willen anderen Leuten aufzwingen wollen.

Anders wäre es, wenn wir uns dazu durchringen könnten, aus dieser autofreien Zeit wirklich etwas zu machen - z. B. acht Wochenenden, an denen man nicht Auto fahren dürfte, z. B. von Freitagabend fünf Uhr bis Montagabend sechs Uhr. Das würde erstens die Umwelt entlasten, das würde zweitens wirklich die Kreativität fördern, denn wenn man drei Tage lang zu Hause bleibt, muss man kreativ sein, wenn man nicht draufgehen will. Es könnte auch eine neue Art des Tourismus herbeiführen; das wäre eine reelle Möglichkeit, um den Durchbruch zum autofreien Leben zu schaffen, in den Genuss zu kommen, ohne Auto zu leben. Haben Sie den Mut dazu? Ich zweifle daran.

Die autofreien Wochenenden würden wie gesagt die Umwelt entlasten, sie würden auch die A2 entlasten. Glauben Sie mir: Als Tessiner wäre ich überglücklich, wenn wir an acht Wochenenden keinen Verkehr auf der A2 hätten. Wie glücklich mein lieber Freund, der Direktor des Verkehrsverbandes, darüber wäre, weiss ich nicht; aber das steht hier nicht zur Debatte. Aber Alibiübungen können wir dem Volk einfach nicht mehr aufzwingen. Das ist nichts anderes als eine Zwängerei. Vier Sonntage sind zu viel, also machen wir nur einen - einen autofreien Sonntag, der niemandem etwas bringt, der aber viele Leute erzürnt, weil sie an jenem Tage gerade Geburtstag haben und irgendwo hingehen wollten und das nicht dürfen usw.

Machen wir also eine richtige Sache; nehmen wir das Auto an die Hand oder lassen es in der Garage, aber so, wie es sein muss und nicht mit blöden - Entschuldigung, aber ich sage es nochmals -: mit blöden Alibiübungen. (Unruhe)

Obwohl ich also eigentlich gerne acht Wochenenden hätte, bitte ich Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenentwurf abzulehnen.