AB 152542
Moser Tiana Angelina · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-06-16
Wortprotokoll
Die CVP/EVP/glp-Fraktion ist für Eintreten auf das Gesetz und lehnt den Nichteintretensantrag ab. Auch wir sind der Meinung, dass das Gesetz von 1989 zu Recht totalrevidiert wird. Das Umfeld von Jugendlichen hat sich seit dem Ende der Achtzigerjahre verändert. Besonders wichtig erscheinen uns die Herausforderungen für Kinder und Jugendliche infolge der Veränderungen der gesellschaftlichen und familiären Strukturen, infolge der neuen Technologien, infolge der Globalisierung und der Migration sowie infolge der Anforderungen der heutigen Leistungsgesellschaft.
Selbstverständlich ist die Familie die wichtigste Einheit für die Entwicklung eines Kindes oder eines Jugendlichen und damit auch für die Bewältigung der genannten Herausforderungen. Kinder- und Jugendarbeit ermöglicht aber für die Entwicklung wichtige komplementäre Erfahrungswelten. Kinder und Jugendliche lernen in Projekten oder Verbänden Verantwortung für sich selbst oder für andere und damit auch für die Gesellschaft zu übernehmen. In der Botschaft wird sehr treffend von einem Spannungsfeld zwischen den Anforderungen einer Wissens- und Leistungsgesellschaft und den Anreizen einer Erlebnis- und Konsumgesellschaft gesprochen. In diesem Spannungsfeld sind für die Zukunft eines jungen Menschen ein gesundes Selbstvertrauen und die Suche nach dem eigenen Weg und nach der eigenen Identität zentral. Die Jugendarbeit kann da tatsächlich einen unterstützenden Rahmen bilden - nicht nur, aber insbesondere dann, wenn familiäre Strukturen fehlen.
Auch angesichts der zunehmenden Individualisierung scheint unserer Fraktion eine Aktualisierung und, damit verbunden, eine Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit wichtig. Beiträge für offene Jugendarbeit, seien es Beiträge an eine Basketball- oder an eine Musiknacht, können eine wichtige Ergänzung zur traditionellen Jugendarbeit sein. Die Ausdehnung auf die offene Jugendarbeit wird von allen Seiten begrüsst. Projekten mit Modellcharakter kann mit dem neuen Gesetz ein Anschub gegeben werden.
Besonders wichtig ist die offene Jugendarbeit für die Integration. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Schichten finden zu offenen und unverbindlichen Angeboten eher Zugang. Eine Mitgliedschaft in einem Verein mit einer regelmässigen Tätigkeit stellt oft eine schwer zu überwindende Eingangshürde dar. Die Migrationsdynamik stellt uns vor Herausforderungen; das zeigen nur schon die Zahlen: Zwischen 21 und 25 Prozent der Jugendlichen bis 19 Jahre sind Ausländerinnen und Ausländer; dazu kommen die statistisch nicht erfassten Schweizer Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die offene Jugendarbeit bietet einen Ansatz für die Bewältigung dieser wichtigen Herausforderung.
Ein paar Worte zur Konzentration der Bundesgelder: Unserer Fraktion scheint eine Konzentration der Bundesgelder, wie sie Artikel 7 vorsieht, richtig. Bundesgelder sollen an jene Organisationen ausgerichtet werden, die seit mindestens drei Jahren bestehen und die gesamtschweizerisch oder sprachregional regelmässig tätig sind. Auch in der Kinder- und Jugendförderung sind die Mittel beschränkt, sodass eine sinnvolle Eingrenzung vorgenommen werden muss. Zudem kommen auch in der Kinder- und Jugendförderung Bundesgelder subsidiär zum Einsatz. In erster Linie sind die Kantone und Gemeinden zuständig.
Zusammenfassend: Die CVP/EVP/glp-Fraktion ist überzeugt, dass die Totalrevision des Jugendförderungsgesetzes sinnvolle Antworten auf aktuelle Herausforderungen liefert. Wir sind für Eintreten.