AB 154012
Gutzwiller Felix · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2011-12-08
Wortprotokoll
Ich erlaube mir eine kurze Bemerkung im Sinne der Unterstützung, aber auch der Interpretation der Motion; ich denke, dies ist auch im Sinne des Motionärs. Das Problem ist hier unter anderem die Kompetenzordnung zwischen Bund und Kantonen. Ich glaube, der Text sagt es deutlich: Man soll hier etwas machen, aber man muss es in sehr enger Zusammenarbeit mit den Kantonen machen.
Die Kantone erbringen riesige Leistungen im Bereich der Finanzierung der medizinischen Fakultäten. Bei der Ausweitung der Zahl der Studienplätze, die ich befürworte, gibt es natürlich auch finanzielle Schranken. Es gibt auch Schranken im Bereich der Ausbildung am Bett; auch das ist klar. Es ist also nicht ganz einfach, dies umzusetzen. Ich glaube aber, dass es richtig ist, wenn man die Problematik angeht.
Herr Schwaller hat die Zahlen genannt. Ich darf darauf hinweisen, dass wir nach den Aussagen des Bundesrates für die kommenden Jahre nicht nur zu wenige Ärzte und Ärztinnen ausbilden, sondern dass wir auch bei den jungen Schweizern und Schweizerinnen nach wie vor einen deutlichen - um nicht zu sagen: dramatischen - Überhang von Anmeldungen haben. Es sind etwa 3500 Anmeldungen oder noch mehr, gegenüber rund 1000 Studienplätzen. Die Feststellung ist ganz wichtig, dass wir vielen jungen Menschen die Chance nicht geben können, dieses Studium zu ergreifen, obwohl sie es gerne ergreifen würden.
Diese Situation ist umso dramatischer, als in der Schweiz, wie Sie ja wissen, ungefähr 30 Prozent der Diplome im Bereich der Medizin ausländische Diplome sind. Der grosse Teil stammt aus EU-Ländern. Auch hier gilt es festzuhalten, dass es nicht im Sinne der Schweiz sein kann, dass wir hier sozusagen auch finanziell gewaltige Transfers realisieren, weil wir die Ärzte, die wir für die Aufrechterhaltung unserer Kapazität benötigen, nicht selber ausbilden. Ich habe es schon früher gesagt: Die Schweiz war vor zwanzig, dreissig Jahren einmal ein Exportland für Mediziner und Medizinerinnen, und diese arbeiteten weltweit, in der Dritten Welt und an anderen Orten. Heute sind wir ein Importland.
Ich denke, diese Motion ist dazu da, dass wir vorwärtskommen, auch im Bereich der Grundversorgung. Ich unterstreiche es noch einmal, dass das in der heutigen Bildungslandschaft in engster Abstimmung mit den Kantonen geschehen muss. Ich erhoffe mir aber, dass der Bund hier die richtigen Anreize setzt, damit die Kantone die Ausbildungskapazitäten auch wirklich erhöhen können.
In diesem Sinne befürworte ich die Unterstützung dieser Motion.