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Giezendanner Ulrich · Nationalrat · 2004-09-22

Giezendanner Ulrich · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2004-09-22

Wortprotokoll

Der Motorsport hat sich in den letzten Jahren vom rein sportlichen Anlass zur innovativen Erprobung und Entwicklung von Hightech-Produkten der Fahrzeugindustrie gewandelt. Relevante Sicherheitsinstrumente wie ABS, ASR und das ganze Bremsequipment stammen alle aus dem Rennsport. Sicherheitsfahrgastzellen oder auch Pneus wurden im Motorrennsport entwickelt. Ein Rundkurs für die verschiedenen Sportanlässe, das wissen wir aus dem Ausland, bringt einer Region eine enorme Wertschöpfung. Pro Anlass verzeichnet eine Region - je nach Anlass, ob es eine Königsklasse ist oder nicht - zwischen 2 und 150 Millionen Franken. Denken Sie z. B. an den Nürburgring: Dieser wurde übrigens, meine Damen und Herren von der Linken, von Herrn alt Bundeskanzler Helmut Schmidt initiiert, weil es eine ärmliche Region war. Diese Region floriert jetzt. Die Bilanz nach zwanzig Jahren im Gebiet des Nürburgrings lässt sich sehen: Hotels, Restaurants und Gewerbebetriebe haben sich in dieser Region angesiedelt. Die Rundstrecke ist das ganze Jahr über belegt.

Nicht "nur" der Rennsport lastet die Anlage aus, nein, die Automobil- und Nutzfahrzeughersteller, Herr Schenk hat es bereits gesagt, lasten die Strecke für ihre Tests aus. Auch aus der Schweiz geht man ins Ausland, um die Produkte zu testen; wir haben viele Zulieferer. Nicht genug damit: Auch Openair-Anlässe, Events werden auf diesen Strecken durchgeführt. Warum? Weil die ganze Infrastruktur vorhanden ist. Eine solche Anlage kann breit genutzt werden, man muss nur Ideen haben. Sie kann für die Schulung von Autofahrern in Sicherheitsaspekten genutzt werden. Würde man eine gesicherte Strecke mit Kiesbeet und Crashzonen organisiert eröffnen, könnten auch private Nutzer diese Strecke befahren. Als Beispiel diene Ihnen Le Mans in Frankreich: Rund 20 000 Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer fahren nach Le Mans, um die Strecke zu nutzen, um ihre PW zu testen und zu schauen, wo ihre eigenen Grenzen liegen.

Wir denken an die Raser. Wäre es nicht eine Möglichkeit - wie übrigens Neubrandenburg oder Le Muy in Frankreich beweisen -, wenn man die jungen Leute, die auf unseren Strassen zum Teil sehr gefährlich fahren, ich gebe das zu, auf solchen Strecken fahren liesse und sie dann merken, wie wenig es braucht, bis ihr Auto "aus der Strasse fliegt"? Man könnte ihnen also die Möglichkeit geben, auf diese Art die Aggressionen abzureagieren.

80 000 Personen aus der Schweiz fahren mit ihren privaten PW auf internationalen Strecken; das ist das eine. Das andere ist aber auch die Schweizer Industrie. Sie haben es gehört: Rund 300 000 Arbeitsplätze in unserem Land sind abhängig von der Autoindustrie und ihren Zulieferern. Genau diesen Wirtschaftszweig könnte man mit einer Exporthalle auf einem Kurs ansiedeln, damit die Produkte gezeigt werden könnten. Wir müssen nicht den ganzen Tag jammern und uns wundern, wenn es unserer Wirtschaft nicht besser geht. Wir müssen endlich wieder etwas tun.

An den europäischen Rennstrecken - z. B. Le Muy, sehen Sie Spa in den Ardennen - haben sich überall Unternehmen aus der Fahrzeugindustrie angesiedelt. Die Synergien dieser Rennstrecken können nicht wegdiskutiert werden, auch von der Linken und den Grünen nicht. Auch technische Hochschulen können sich bei der Entwicklung dieser Produkte mitbeteiligen. Übrigens ist Alinghi das beste Beispiel: Da hat man in der Schweiz auch gelächelt. Die ETH von Zürich und Lausanne waren beteiligt, ein innovatives Textilunternehmen aus dem Toggenburg hat mitgeholfen und Unglaubliches geleistet. Das müssen wir wieder fördern! Es liegt auf der Hand, dass auch der Schweizer Tourismus von einer solchen Strecke massiv profitieren würde; meine Vorredner aus der Kommission haben es gesagt. Die ganze Welt würde von einem Grossen Preis der Schweiz profitieren. Das war schon früher so. Auch ist zu sagen: Der Grosse Preis von Brasilien lockt 100 000 Touristen an, die laut Statistik mindestens zwei Wochen in Brasilien bleiben. Ist das denn nichts? Rund zwei Drittel der Fans bleiben da.

Von Gegnern der Rundstrecke wird heute so locker gesagt: Ja die Umwelt, die Umwelt, es fahren an einem Wochenende 150 000 Leute hin. Es waren 250 000 Leute in Payerne, es sind im Winter wöchentlich 100 000 Leute, die durch das Prättigau nach Klosters und Davos hinauffahren, und da sagt man nichts.

Ich bitte Sie: Denken Sie an das Stadion in Zürich - wir haben uns dank dem VCS weltweit blamiert! Geben Sie diesem VCS keine Chance mehr, helfen Sie mit, dass wir in diesem Land wieder etwas tun können, helfen Sie mit, dass wir die erste Phase schaffen und Ja zu einer innovativen Wirtschaft und Nein zum VCS sagen!