Rechsteiner Paul · Ständerat · 2014-06-16
Rechsteiner Paul · Ständerat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2014-06-16
Wortprotokoll
Ich möchte meinerseits den Bedenken und der Besorgnis, die von Frau Savary und Herrn Luginbühl jetzt unterstrichen worden sind, ebenfalls noch Ausdruck verleihen. Ich meine, dass wir in Bezug auf die Publikationsformen womöglich doch an einem entscheidenden Punkt stehen. Es ist erst wenige Wochen her, seit Professor Michael Hagner, der Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich lehrt, einen ganzseitigen Artikel in der "NZZ" veröffentlicht hat, in welchem er genau auf dieses Problem hinweist: Bezüglich der Publikationsformen greifen die Entscheidungen in Richtung Digitalisierung, die vom Bundesrat jetzt getroffen worden sind und in seiner Antwort auf die Interpellation unterstützt werden - die Digitalisierung hat ja durchaus Vorteile - bei den Geisteswissenschaften zu kurz. Bei den Geisteswissenschaften ist es nach wie vor so - das hat mit dem Charakter dieser Publikationen zu tun -, dass nicht die Schnelligkeit zählt. Bei naturwissenschaftlichen Publikationen erfolgt die Rezeption viel schneller, in einem schnelleren Zyklus, während bei den Geisteswissenschaften mit dem Buch, mit der Langsamkeit und Sperrigkeit des Trägerobjekts "Buch" halt eine andere Form von Rezeption nötig ist, damit geisteswissenschaftlich auch eine Auseinandersetzung stattfinden kann.
Entscheidungen, die davon ausgehen, dass das Buch als Publikationsform keine Zukunft mehr hat, wie es in der Vergangenheit eine hatte, greifen deshalb zu kurz. Der naturwissenschaftliche Publikationszyklus, der digital orientiert ist, ist für die Geisteswissenschaften längerfristig fatal. Der Bundesrat ist in dieser Frage deshalb gut beraten, bezogen auf die Geisteswissenschaften noch einmal über die Bücher zu gehen, sich das Ganze noch einmal zu überlegen und mindestens eine Orientierungspause einzuschalten.