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Feri Yvonne · Nationalrat · 2014-03-18

Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2014-03-18

Wortprotokoll

Ich möchte meinen Beitrag gerne mit ein paar Fakten zur Vergabe von Stipendien in der Schweiz beginnen: 2010 vergaben die Kantone gesamthaft über 300 Millionen Franken in Form von Stipendien und Darlehen an Lernende und Studierende. Diese Ausgaben, namentlich die Ausgaben für Stipendien, wurden vom Bund mit 24,3 Millionen Franken subventioniert. Von diesen 24,3 Millionen gingen 54 Prozent und damit mehr als die Hälfte an Frauen. Zwei Jahre später, 2012, vergaben die Kantone 318 Millionen Franken für Ausbildungsbeiträge. Fast die gesamten Ausbildungsbeiträge, 95 Prozent, wurden in Form von Stipendien ausbezahlt. Der Anteil an den ausbezahlten Stipendien betrug für die Tertiärstufe 54 Prozent, für die Sekundarstufe II betrug er 45 Prozent, und 1 Prozent verteilte sich auf die obligatorische Schule und auf die Weiterbildung. Der durchschnittliche Stipendienbetrag auf Sekundarstufe II betrug 5157 Franken, während es auf der Tertiärstufe 8007 Franken waren.

Diese beiden Angaben zeigen bereits den ersten grossen Widerspruch des schweizerischen Stipendienwesens auf. Obschon Frauen nämlich mehr als die Hälfte der vom Bund subventionierten Mittel erhalten, bleiben sie benachteiligt. Denn auch heute noch gibt es viele Hindernisse, welche die Laufbahn einer Wissenschafterin beeinträchtigen oder gar verhindern können. Laut dem Bundesamt für Statistik waren 2004 in der Schweiz 47 Prozent der Studierenden Frauen: "Im Verlauf der wissenschaftlichen Laufbahn nimmt der Prozentsatz jedoch von Etappe zu Etappe ab: Bei den Hochschulabschlüssen liegt der Frauenanteil noch bei 44 Prozent, bei den Doktortiteln sind es nur noch 38 Prozent. Dies führt zu einer grossen Verschwendung von Kompetenzen und Know-how." Daher bedarf es der Ermutigung und Unterstützung, damit der Wissenschaft nicht exzellente weibliche Talente und damit wichtiges Potenzial verlorengehen. An Schweizer Universitäten ist ein Anteil von 25 Prozent der Professuren angestrebt - der Durchschnitt lag 2011 aber gerade mal bei 17 Prozent.

Die SP fordert seit Jahren eine Stipendienpolitik, die den Zugang zu Bildung für alle ermöglicht. Dazu gehören meiner Meinung nach auch insbesondere die Frauen. Ein Studium oder eine höhere Berufsbildung ist immer noch ein grosses finanzielles Wagnis. Es müssen mehrere Jahre ohne regelmässiges Lohneinkommen überbrückt werden - oft können nebst der Ausbildung nur kleine Teilzeitstellen besetzt werden. Damit sind wir auch bereits beim Kern meines Anliegens angelangt: Mit der Stipendien-Initiative - und der damit geforderten Harmonisierung und der Erhöhung der Beiträge insgesamt - haben wir die Chance, nicht nur den Zugang zu Bildung für alle zu verbessern, sondern auch den weiblichen Fachkräftemangel einzudämmen. Wie wir alle wissen, sind es insbesondere Frauen, die im Teilzeitbereich arbeiten und mit tiefen Einkommen leben müssen. Die Statistiken des BFS zeigen, dass Männer mehr als doppelt so häufig wie Frauen von einer höheren Berufsbildung profitieren; bei den Männern sind es 30 Prozent, bei den Frauen 14 Prozent. Je höher ein Einkommen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sein Bezüger, seine Bezügerin eine höhere Berufsbildung absolviert. Damit sind Frauen bei der Stipendienvergabe ganz klar benachteiligt - dabei hätten Niedriglohnbezüger und Niedriglohnbezügerinnen Weiterbildung am nötigsten, und sei es nur, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Ein Ja zur Stipendien-Initiative ist aus meiner Sicht deshalb unabdingbar. Ein Ja zur Stipendien-Initiative heisst nämlich nicht nur Ja zu mehr Chancengerechtigkeit im schweizerischen Bildungssystem, sondern auch Ja zu mehr Frauen an Schweizer Universitäten und in Kaderpositionen von Schweizer Unternehmen. Das kommt schliesslich und schlussendlich der ganzen Schweiz zugute.