Lexipedia

Büttiker Rolf · Ständerat · 2001-09-26

Büttiker Rolf · Ständerat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2001-09-26

Wortprotokoll

Als ehemaliger Mittelschullehrer teile ich die Bedenken, die Kollega Bieri vorgetragen hat, durchaus. Er hat Recht: Werbung hat auf die Jugendlichen einen besonders grossen Einfluss, und es ist klar, dass schädliche Werbung natürlich für die Jugendlichen auch Probleme mit sich bringt. So weit, so gut.

Aber, Herr Bieri, wenn Sie sagen, wir müssten den Mut haben, einen eigenen Weg zu gehen, müssen wir natürlich, gerade gegenüber den Jugendlichen, auch glaubwürdig bleiben. Ein Beispiel für mich, weil ich diese Sendung auch konsumiere, ist "ran" auf Sat1: am Samstag, mit riesigen Einschaltquoten auch in der Schweiz, das hat die Diskussion gezeigt. Jetzt ist sie, glaube ich, um sieben, eine Zeitlang war sie um acht Uhr angesetzt. Ganz Deutschland und viele Jugendliche - und das ist der Punkt -, die Sport treiben und sich mit Sport auseinander setzen, schauen sich diese Sendung an. Das ist die Praxis. Wobei die Diskussion um die Unterbrecherwerbung in diesem Zusammenhang noch lustig ist. Man kann sagen: Man schaut sich Werbung an und dazwischen noch etwas Bundesliga-Fussball. So sagen es auf jeden Fall meine Kollegen.

Ich habe am letzten Samstag noch einmal geschaut. Beck's, ein Bier, präsentiert diese Sendung. Und es sind vor allem Jugendliche, sportinteressierte Jugendliche, die diese Sendung anschauen. Erste Unterbrechung: Krombacher kommt, ebenfalls ein Bier. Zweite Unterbrechung: Hasseröder kommt, ebenfalls ein Bier. Am späteren Abend kommt dann noch Jägermeister.

Ich muss sagen: Damit werden unsere Jugendlichen auch konfrontiert. Und wenn wir jetzt sagen, in der Schweiz ist es verboten, wir wollen keine Alkoholwerbung - Sie haben explizit gesagt: keine Bierwerbung -, dann müssen wir den Jugendlichen auch die Antwort geben, wie es dazu kommen [PAGE 588] kann. Das ist jetzt ein Beispiel, ein praktisches Beispiel: Bei grossen Einschaltquoten zu einer guten Sendezeit werden junge Leute, die Sport treiben, in einem extremen - ich muss sagen: extremen - Mass mit solcher Werbung konfrontiert. Da haben wir ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn wir das durchdiskutieren müssen. Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns hier den Regeln z. B. auch derjenigen Sender anschliessen, die in der Schweiz eben gesehen werden, und wir müssen andere Wege beschreiten, um das Problem Alkohol in den Griff zu bekommen.

Deshalb werde ich die Parlamentarische Initiative Schmid Carlo unterstützen. Die Solothurner Standesstimme ist damit geteilt, aber das entspricht sehr wahrscheinlich der Volksmeinung.

Büttiker Rolf · Ständerat · 2001-09-26 | Lexipedia | Lexipedia