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Leuthard Doris · Bundesrat · 2013-06-13

Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2013-06-13

Wortprotokoll

Das Problem ist uns ja seit Langem bekannt. Wir haben die Petition, die erwähnt wurde, wir kennen die Interessenlage und setzen uns entsprechend ein, verdankenswerterweise auch das Parlament. Ich glaube, die Schweiz macht hier relativ viel, um die Bedeutung dieser Linie aufrechtzuerhalten und dem auch auf allen politischen Ebenen Ausdruck zu verleihen. Tatsache ist aber natürlich, dass trotz besserem Rollmaterial, trotz Fahrzeitverkürzung die Nachfrage nach wie vor rückläufig ist. Das ist das Problem, das wahrscheinlich auch die Region irgendwann mal lösen muss. Weshalb schaffen es Neuenburg und Umgebung nicht, dass mehr Personen diese Linie benützen? Entweder fährt man nicht nach Paris, oder man nutzt andere Verkehrsmittel oder -wege. Nach unserer Einschätzung ist es halt so, dass der Raum Genf bis Lausanne die Linie über Genf benützt. Weiter haben wir die Basler Linie. Gerade ein Teil des Juras benützt wahrscheinlich die TGV-Linie über Belfort und geht nicht nach Bern oder nach Neuchâtel. Ich glaube, das ist im Moment das Problem. Wir wären auch unter Druck, dass wir Schweizerinnen und Schweizer, unsere eigenen Leute, überzeugen und ihnen sagen müssten: Ihr habt eine total gute Verbindung, nutzt sie auch. Aber solange die Nachfrage rückläufig ist, trotz sehr vieler Massnahmen, ist es schwierig, dass man diese Strecke auf Dauer betreibt.

Wir unterstützen deshalb sehr, dass man mindestens - und das hat ja Lyria zugesichert - diese Verlängerung der Linie bis Interlaken macht. Die Frage, ob das an der Nachfrage tatsächlich etwas ändern kann, finden wir auf jeden Fall spannend. Die Verlängerung wäre ein neues Marktsegment, und wir denken auch, dass Lyria sicher nicht, bevor man das seriös abgeklärt hat, einfach diese Aktivitäten einstellt. Wir werden hier laufend informiert, und die SBB unterstützen das auch sehr. Es wäre, denke ich, für den Schweizer Tourismus durchaus eine spannende Situation, aber das Ergebnis kennen wir noch nicht.

Wenn diese Analyse nicht zustande kommt respektive besagt, die Nachfrage sei nicht in einem Ausmass steigerbar, dass diese Linie aufrechterhalten werde, haben wir einfach ein politisches Problem. Weil die SBB nur 26 Prozent an Lyria halten, können die Franzosen entscheiden, auch gegen den Willen der SBB, das ist einfach ein Faktum.

Es ist, glaube ich, gut, dass sich die Schweiz hier auf allen Ebenen gut konzertiert - mit den Kantonen, dem Parlament, dem Bund, dem BAV. Wir werden deshalb hier versuchen, diese Anbindung von Interlaken seriös zu analysieren; das Vorhaben unterstützen wir. Ich kann Ihnen aber nicht garantieren, dass es dann dieses Jahr nicht trotzdem zu Entscheiden kommt. Wir haben keine Garantie. Deshalb erwartet der Bundesrat, dass man auf jeden Fall diese Entwicklungsperspektiven aufzeigt und wir das möglichst bis in den Herbst erhalten, damit es in die Entscheidfindung einfliessen kann. Daran halten wir uns, ich habe auch keine Anzeichen, dass das nicht der Fall wäre.