Humbel Ruth · Nationalrat · 2011-09-30
Humbel Ruth · Nationalrat · Aargau · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-09-30
Wortprotokoll
Die CVP/EVP/glp-Fraktion wird die KVG-Revision "Integrierte Versorgung" annehmen.
Die Vorlage löst nicht alle Probleme in unserem Gesundheitswesen, aber sie leitet einen Paradigmenwechsel in der ambulanten Versorgung ein, setzt richtige Anreize und nimmt alle Betroffenen - Versicherte, Leistungserbringer und Krankenkassen - in die Verantwortung. Krankenkassen dürfen keine Netzwerke betreiben, und die Leistungserbringer im Netz müssen für die verursachten Kosten Mitverantwortung übernehmen. Die Versicherten wählen den Arzt ihres Vertrauens, der sie durch unser kompliziertes Gesundheitswesen steuert und dafür sorgt, dass sie eine gute medizinische Versorgung bekommen und keine Prämiengelder verschwendet werden. Mit integrierter Versorgung werden Mehrfachuntersuchungen, Falschbehandlungen sowie Übermedikation verhindert, und die Ressourcenverschwendung im Gesundheitswesen wird gestoppt. Versicherte im Netz profitieren von einer besseren Medizin, von tieferen Prämien und einer tieferen Kostenbeteiligung. Mit einer Verfeinerung des Risikoausgleichs werden sich die Krankenkassen auf gute Behandlungskonzepte für Chronischkranke konzentrieren, die Jagd auf gute Risiken wird gestoppt.
Von Sozialabbau zu sprechen oder eine Einschränkung der freien Arztwahl zu beklagen ist abstrus. Damit redet die SP weiterhin einem Gesundheitswesen das Wort, in dem grundsätzlich und weiterhin das Selbstbedienungsprinzip gelten soll. Das ist weder sozial noch patientenfreundlich, sondern billige Wahlpropaganda, reines Parteikalkül auf dem Weg zur Einheitskasse.
Vor acht Jahren wurde die KVG-Revision in der Schlussabstimmung versenkt. Gern erinnere ich die SP-Fraktion daran, dass ihre Vertreter, Bundesrätin Simonetta Sommaruga und Nationalrat Jost Gross, Vordenker von Managed Care waren und Budgetverantwortung für Ärzte sowie eine differenzierte Kostenbeteiligung von 10 und 20 Prozent ins Gesetz gebracht haben. Es gibt also auch für die SP-Fraktion keinen einzigen sachlichen Grund, dieser ausgewogenen Vorlage nicht zuzustimmen.
Ich bitte Sie, die Vorlage anzunehmen. [PAGE 1866]