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Leuenberger Moritz · Bundesrat · 2003-06-16

Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2003-06-16

Wortprotokoll

Obwohl das gar keine Frage war, sondern eine Feststellung oder eine persönliche Meinung, möchte ich dem doch entgegentreten. Es ist nicht richtig, dass Herr Emmenegger nicht immer eine glückliche Hand gehabt habe - also vielleicht im Privatleben und vielleicht in der Politik, wie wir alle auch, das weiss ich ja nicht, aber nicht in diesem Fall der Swisswings, den Sie jetzt erwähnen.

Ich möchte darauf hinweisen, dass im November 1999 die Swisswings - die damals noch "Air Engiadina" hiess - vollkommen überschuldet war und kurz vor dem Konkurs stand. Dann gab es eine Gruppe von Berner Investoren, die unter Zuschuss von neuem Kapital nochmals einen Neustart wagen wollte. Ziel war, dass die Swisswings eine Allianz mit einem Partner eingehen sollte. Zur Diskussion stand damals die Crossair. Die Investoren ersuchten dann Herrn Emmenegger - unter Hinweis auf seine Verantwortung als Berner, auf seine standortpolitische Verantwortung -, den Posten eines VR-Präsidenten zu übernehmen, was er dann auch tat: Am 20. November übernahm er dieses Präsidium. Unter schwierigsten Bedingungen führte er zwei Sanierungen durch. Aber die Altlasten des Unternehmens und die schwierigen Rahmenbedingungen der Luftfahrt im Allgemeinen machten dann all diese Anstrengungen zunichte. Eine Fusion kam trotz intensiven Verhandlungen nicht zustande, sodass am 8. April 2002 die Nachlassstundung eingereicht werden musste.

Wir sind der Meinung, dass Herrn Emmenegger in dieser Situation kein Vorwurf gemacht werden kann. Er hat versucht, ein sehr schlecht gehendes Unternehmen zu retten. Er konnte es dann nicht retten, aber er hat es ordentlich in die Nachlassstundung geführt.

Wenn wir jemanden, der in einer schwierigen Situation Verantwortung wahrgenommen hat, in dieser Situation das Beste gemacht hat, was man noch machen kann, dann nie mehr für irgendeinen anderen Posten infrage kommen lassen wollen, dann scheuen sich die Leute in einer schwierigen Situation, eine Verantwortung zu übernehmen. Ich würde sagen, dann hätten wir für die neue Swiss damals überhaupt niemanden gefunden. Es gehört auch zur unternehmerischen Herausforderung, solche Verantwortungen wahrzunehmen, auch wenn das Unternehmen dann vielleicht in eine Nachlassstundung kommt. Wir stehen zu dieser Wahl von Herrn Emmenegger jetzt in den Verwaltungsrat, und dazu, dass er als Präsident designiert ist. Das geht jetzt noch ein Jahr. Wir wissen nicht, was in diesem Jahr noch alles geschieht, aber er ist für diesen Posten vorgesehen, und er geniesst unser Vertrauen.