Altherr Hans · Ständerat · 2013-09-26
Altherr Hans · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion · 2013-09-26
Wortprotokoll
Ein Kollege hat mich gebeten, eine halbe Stunde zu sprechen, weil er noch Besuch auf den Tribünen erwartet. (Heiterkeit) Ich halte mich trotzdem nicht an diese Vorgabe, sondern fasse mich kurz. Ich bin wie Frau Fetz tatsächlich fast ganz befriedigt von dieser Antwort. Einen Punkt möchte ich aber noch etwas vertiefen. Ich werde mich nur zur Forschungsförderung äussern, nicht zur allgemeinen Hochschulfinanzierung, der erste Absatz der Antwort des Bundesrates interessiert also in diesem Zusammenhang nicht.
Nun zur Forschungsförderung: Nach der Auflösung des anwendungsorientierten Fördertopfs Dore stehen nun die Universitäten und die Fachhochschulen beim Nationalfonds und bei der KTI in direkter Konkurrenz. Dabei gibt es drei Ungleichgewichte zwischen den Universitäten und den Fachhochschulen:
Das erste Ungleichgewicht möchte ich mit "Köpfe" übertiteln. In den Gremien, die entscheiden, sitzen praktisch nur Universitätsprofessoren. Ihnen liegt die Grundlagenforschung näher als die anwendungsorientierte Forschung. Dazu sagt der Bundesrat, das müsse überprüft und [PAGE 925] angepasst werden und die Überprüfung sei im Gange. Dieser Punkt ist für mich okay. Davon bin ich befriedigt.
Beim zweiten Punkt haben wir meines Erachtens noch ein Problem. Das betrifft das unterschiedliche Gewicht des Mittelbaus. Die Universitäten haben einen ganz anders strukturierten Mittelbau, und sie haben vor allem die Möglichkeit, Doktoranden mit Forschungsarbeiten zu betrauen, sie dafür einzusetzen. Klar ist, dass diese Möglichkeiten den Universitäten andere Perspektiven und ein sehr grosses Potenzial eröffnen, grundsätzlich zu Forschungsresultaten zu kommen und günstiger zu diesen Forschungsresultaten zu kommen, da sie die Doktoranden ja nicht voll entlöhnen müssen. Der Bundesrat sagt zu diesem Thema, hier seien die Kantone als Träger der Fachhochschulen gefordert. Das halte ich für verfehlt; ich bin der Auffassung, dass dieser Aspekt vom Nationalfonds und von der KTI bei der Projektfinanzierung berücksichtigt werden müsste. Die Probleme sind ja direkt von den erhaltenen Aufträgen abhängig. Die Kantone können bei den zu erwartenden grossen Schwankungen durch diese Forschungsaufträge nicht einen Mittelbau finanzieren und bereitstellen. Überdies möchte ich dem Bundesrat in diesem Punkt zu bedenken geben, dass die Haltung, die er jetzt eingenommen hat, der Forderung der Fachhochschulen nach eigenen Doktoraten enormen Aufschwung geben würde. Es stellt sich die Frage, ob man das will. Ich will es nicht, und ich denke, dass es auch der Bundesrat nicht will. In diesem Punkt bin ich also nicht befriedigt.
Der dritte Punkt, wo erhebliche Unterschiede bestehen, sind die Referenzen. Um an die Fördertöpfe zu gelangen, muss man in aller Regel aufzeigen, was man schon gemacht hat. Das zementiert den Vorsprung der etablierten Organisationen, also meist der Universitäten. Nun kann man sagen, das sei gewollt, weil es Kompetenzzentren fördert. Es verhindert aber den Wettbewerb, und es behindert die noch jungen neuen Institutionen, also die Fachhochschulen. Das kann so weit führen, dass sich diese fragen, ob es überhaupt Sinn macht, sich an einem ungleichen Wettbewerb zu beteiligen. Und das wiederum darf nicht sein, weil alle Hochschulen einen Forschungsauftrag haben und weil alle auf Forschung angewiesen sind, um eine qualifizierte Lehre anbieten zu können. Zu diesem Punkt finde ich in der Antwort auf die Interpellation keine befriedigenden Ausführungen. Ich ersuche den Bundesrat, diesem Problem bei der angekündigten bzw. laufenden Evaluation die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, und danke ihm für seine Stellungnahme.