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Luginbühl Werner · Ständerat · 2014-06-13

Luginbühl Werner · Ständerat · Bern · Fraktion BD · 2014-06-13

Wortprotokoll

Ich möchte zuerst meine Interessenbindung darlegen: Ich bin im grossen Stiftungsrat des Freilichtmuseums Ballenberg. Das Freilichtmuseum Ballenberg ist das Museum schlechthin für die Vermittlung der ländlichen Kultur in der Schweiz. Entsprechend wurde Ballenberg in der Kulturbotschaft 2012-2015 als Kompetenzzentrum für die Vermittlung von Volkskultur aufgenommen. Möglicherweise ist es Wasser in die Aare getragen, wenn ich Ihnen das Museum kurz vorstelle; darum nur einige Zahlen und Fakten.

Die rund eine Viertelmillion Besucher und die Hunderten von Schulklassen bekommen im Freilichtmuseum Ballenberg Folgendes zu sehen: hundert als schützenswert klassierte historische Gebäude, eingerichtet mit den entsprechenden historischen Möbeln und Gegenständen zum Wohnen, Leben und Arbeiten; zu den Häusern passende Gärten, landwirtschaftliche Kulturen und eine grosse Zahl von Nutztieren - es wird dabei darauf geachtet, dass es alte Schweizer Rassen sind. In den historischen Gebäuden wird traditionelles Handwerk präsentiert; zusätzlich werden themenorientierte Ausstellungen und Veranstaltungen durchgeführt. Kurz: In Ballenberg lässt sich in einer einzigartigen Landschaft erleben, wie unsere Vorfahren in den verschiedenen Regionen der Schweiz gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Daneben gibt es die klassische Museumsinfrastruktur wie Infrastrukturbauten, Parkplätze, Verbindungsstrassen usw. auf einem Gelände von sage und schreibe 66 Hektaren zu unterhalten.

Ballenberg wurde im Jahr 1978 eröffnet. Die Initiative ging von einem Personenkreis von Leuten um den Basler Bauernhausforscher Dr. Max Gschwend aus, der eine entsprechende Studienkommission präsidierte. Vor mir liegt ein Schreiben von Bundesrat Tschudi an den Regierungsrat des Kantons Bern vom 30. Juni 1964. In diesem Brief wird der Kanton Bern angefragt, ob er diese "kulturelle Aufgabe von grosser Bedeutung und Tragweite" zu übernehmen bereit wäre. In dieser Projektphase - und nun hören Sie gut zu, geschätzte Kolleginnen und Kollegen - wurde auch die Schaffung einer Filiale des Schweizerischen Landesmuseums erwogen. Das ist aus einem Protokoll einer Besprechung mit Bundesrat Tschudi klar ersichtlich.

Erlauben Sie mir die Bemerkung: Wenn es eine solche Filiale geworden wäre, hätte Ballenberg weniger finanzielle Probleme. Dass Ballenberg schlussendlich im Kanton Bern realisiert wurde, ist wohl eher zufällig. Es wurden verschiedene Standorte geprüft, unter anderem auch in den Kantonen Luzern und Obwalden sowie in der Ostschweiz. Am [PAGE 560] Ballenberg hatte es Platz, das Gelände war verfügbar, zudem ist Brienz zentral gelegen.

In den letzten Jahren, in der Aufbauphase, ging es darum, sicherzustellen, dass ein möglichst repräsentativer Überblick über die ländlichen Schweizer Haus- und Siedlungsformen geschaffen werden konnte. Dies ist dank grossen Anstrengungen der Verantwortlichen auch gelungen. Die mehr als hundert historischen Gebäude stammen aus allen Landesteilen und aus 23 Kantonen der Schweiz. Um eine erste finanzielle Krise in den Achtzigerjahren zu überwinden, tat man in den folgenden Jahren alles, um eine ausgeglichene Rechnung zu erzielen. Man erreichte eine Eigenwirtschaftlichkeit von durchschnittlich über 90 Prozent. Da blieb aber leider kein Raum für eine nachhaltige Sicherung des Erreichten. Es konnte weder in den Unterhalt noch in den Schutz von Sammlung und Infrastruktur investiert werden, es wurden keine Rückstellungen für den Unterhalt der Häuser getätigt, und die notwendige Weiterentwicklung der Vermittlung des Gästeangebotes ist ebenfalls nicht erfolgt.

Bisher bekam Ballenberg vonseiten der öffentlichen Hand folgende Mittel: vom Kanton Bern 625 000 Franken und von den anderen Kantonen zusammen 100 000 Franken. Dazu kommt gemäss Kulturbotschaft 2012-2015 erstmals in diesem Jahr ein Betrag von 500 000 Franken vom Bund. Eine gründliche Analyse der Verantwortlichen zeigt, dass in Zukunft deutlich mehr Mittel für Betrieb, Erhalt, Unterhalt und Weiterentwicklung des Museums nötig sein werden. Verfügt Ballenberg heute über Ausgaben von rund 7 Millionen Franken, wird künftig ein Betrag von 10 bis 11 Millionen Franken notwendig sein. Daneben sind beträchtliche Summen für den Unterhalt der historischen Bauten notwendig.

Nun sind sich die Verantwortlichen selbstverständlich bewusst, dass nicht einfach der Bund diesen zusätzlichen Betrag übernehmen wird. Der Standortkanton wird sein Engagement erhöhen müssen. Zudem soll versucht werden, die Kantone, welche Objekte im Museum haben, zu überzeugen, dass sie selber für den Unterhalt ihrer Bauten aufkommen sollen.

Zudem müssen auch die Einnahmen aus Drittmitteln deutlich erhöht werden. Aber es geht nicht ohne den Bund; es geht nicht ohne eine substanzielle Erhöhung des Beitrages des Bundes, wie ich es in meinem Vorstoss fordere - sonst ist das Museum langfristig gefährdet. Der Kulturartikel in der Verfassung und das Kulturförderungsgesetz geben dem Bund die notwendige rechtliche Grundlage.

Ballenberg ist, zusammen mit dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, mit Sicherheit in der Schweiz die Institution mit der grössten Ausstrahlung, was die Breitenwirkung betrifft. Ballenberg sorgt für den Erhalt und die Vermittlung eines wichtigen historischen, kulturellen Erbes unseres Landes. Eine schwerpunktmässige Unterstützung des Ballenbergs durch den Bund würde, davon bin ich überzeugt, einen wichtigen Beitrag zur Verbreiterung der Akzeptanz der Kulturpolitik des Bundes leisten.

Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen, ich danke Ihnen, dass Sie meinen Vorstoss so zahlreich mitunterzeichnet haben. Ich wehre mich nicht dagegen, dass Ziffer 2 des Vorstosses abgelehnt wird; hier müssen wir eine andere Lösung finden. Ich bitte Sie jedoch, Ziffer 1 mit Überzeugung gutzuheissen.