Hösli Werner · Ständerat · 2014-09-23
Hösli Werner · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2014-09-23
Wortprotokoll
Wenn ich dieser Debatte zuhöre, bekomme ich etwas das Gefühl, man habe - ich spreche da vor allem vom Gesundheitsbereich - die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir machen ja heute schon alles, damit jemand nicht aussteigt, damit jemand mit reduziertem Pensum arbeiten kann; da sind wir voll im Geschäft. Wir versuchen, alle möglichen Punkte ins Feld zu führen, um jemanden davon zu überzeugen, den Beruf nicht aufzugeben, wenn ihn allenfalls die familiäre Situation dazu "zwingt".
Man muss allerdings sehen, dass es auch andere Bedingungen gibt, die zur Berufsaufgabe führen, auch wirtschaftliche. Man kann schon Förderungen planen und in Aussicht stellen, oftmals sind es aber eben wirtschaftliche Überlegungen, die jemanden dazu bringen, den Beruf im Moment aufzugeben. Da werden Berechnungen angestellt, was es steuerlich ausmacht, wenn man weiterarbeitet, und was es kostet, wenn man das Kind eine gewisse Zeit betreuen lässt, in einen Hort gibt. Die Vorschriften werden aber überall angehoben: Heute darf man kaum mehr ein Kind betreuen, wenn man nicht einen Hochschulabschluss hat; das ist zwar etwas übertrieben, es ist aber etwas daran. Man muss in diesem Bereich wieder auf ein normales Mass zurückkommen und die Möglichkeit schaffen, ein Kind günstig betreuen zu lassen, d. h., dass die Person, die das Kind betreut, nicht irgendwelche Abschlüsse haben muss.
Gerade im Gesundheitsbereich gibt es auch noch einen anderen Einfluss, nämlich die Regulierungen im Beruf selber. Viele Pflegefachkräfte haben ja nicht das Ziel, Bürolisten zu sein. Es ist heute aber so: Als Pflegefachkraft wird man derart mit administrativen Aufgaben eingedeckt, dass viele sagen, das sei nicht mehr der Beruf, den sie eigentlich ausüben wollten.
Da komme ich immer wieder zu dem zurück, was ich eigentlich in Voten, die ich da gehalten habe, schon gesagt habe: Hören wir mal auf, immer mehr zu regulieren, immer mehr zu bestimmen, immer mehr vorzuschreiben und den Bürokratismus anzuheizen. Da liegt ein Hauptproblem, und daran müssen wir arbeiten. Mit solchen Konzepten, die auch wieder nur Konzepte sind und den Administrationsaufwand erhöhen, kommen wir nicht weiter. Wir müssen wieder auf die Praktiker, auf die Pflegefachkräfte und auf die Fachkräfte generell hören, sie fragen, wo das Problem liegt, und dann dort ansetzen.