Schneider-Schneiter Elisabeth · Nationalrat · 2014-09-26
Schneider-Schneiter Elisabeth · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion CVP-EVP · 2014-09-26
Wortprotokoll
Die Anzahl der an Olympischen Spielen gewonnenen Medaillen ist für das Schweizer Sportsystem eine wichtige Zielgrösse. Die gesetzten Ziele wurden in den letzten Jahren nicht immer erreicht. Aufgrund des zusehends strategischen Verhaltens anderer Nationen ist davon auszugehen, dass es immer schwieriger werden wird, Medaillen zu gewinnen. Die Sportnation Schweiz tut gut daran, nach Verbesserungspotenzialen zu suchen, und das nicht nur, um der guten Reputation der Schweiz als Sportnation gerecht zu werden, sondern auch darum, weil ein attraktiver Spitzensport mit Toperfolgen für den Breitensport unabdingbar ist. Um die hochgesteckten Ziele der Schweiz im internationalen Wettbewerb erreichen zu können, ist ein stetig wachsender Professionalisierungsgrad in allen Bereichen der Leistungserstellung anzustreben, darunter auch in Bezug auf die finanzielle Situation der Athletinnen und Athleten.
Die Spliss-Studie, bei welcher Spitzensportler befragt wurden, zeigt ein klares Bild auf: Die finanzielle Situation ist ein grosses Problem für eine Karriere von Schweizer Spitzenathletinnen und Spitzenathleten. Das neue Sportförderungsgesetz gibt dem Bund zwar heute die Möglichkeit, die Förderung des leistungsorientierten Nachwuchs- und Spitzensports zu unterstützen; leider ist heute die Unterstützung der Parallelität - Ausbildung im Rahmen der Sporthochschule in Magglingen und Tätigkeit als Spitzensportler - aber immer noch sehr eingeschränkt. Es gibt heute zwar gute Einrichtungen im Mittelschulbereich bis zu einer Berufsmatura oder einer gymnasialen Matura, und es bieten sich auch einige sportfreundliche Lehrbetriebe an. Doch die Universitäten und Fachhochschulen verstecken sich hinter der Forschungs- und Lehrfreiheit. Nicht einmal die Rektoren können entsprechende Massnahmen definieren. Es liegt am Goodwill der einzelnen Professorinnen und Professoren, hier mit Athleten Lösungen auszuarbeiten. Mit unseren Systemen sind wir da gegenüber unseren Nachbarländern klar im Nachteil. Die WBK-NR erachtet deshalb die Förderung von Topathleten als prioritär.
Bei diesem Postulat geht es darum, vom Bundesrat prüfen zu lassen, wie die finanzielle Situation von Topathleten nachhaltig gestaltet werden kann. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Mehrzahl der Schweizer Sportlerinnen und Sportler vom Sport leben können. Wir können uns nicht einfach nur an den Salären von Roger Federer orientieren. Die grosse Mehrzahl der Schweizer Sportlerinnen und Sportler, welche zur Elite der Sportwelt gehören, haben Schwierigkeiten, ihre berufliche und ihre sportliche Karriere unter einen Hut zu bringen, geschweige denn eine befriedigende Vorsorgelösung bzw. eine finanzielle Absicherung nach ihrer Sportkarriere zu erreichen. Aufgrund dieser unsicheren Situation entscheiden sich viele hochbegabte Sportlerinnen und Sportler gegen den Sport. Wollen wir das? Können wir uns das als Sportnation leisten?
In diesem Sinne bitte ich Sie im Namen der WBK-NR, dieses Postulat anzunehmen und nicht der Minderheit zu folgen.