Baumann Stephanie · Nationalrat · 2001-12-03
Baumann Stephanie · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-12-03
Wortprotokoll
Wir haben es soeben gehört: Ohne Pflege geht nichts. Leider merken wir das erst, wenn wir selber krank sind und der Pflege bedürfen oder wenn Angehörige von uns in Spitalpflege gehen müssen. Die Anforderungen an die Pflege werden immer höher, die Arbeitsbelastung der Pflegenden nimmt immer mehr zu, und das wird sich in den nächsten Jahren sicher nicht ändern. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Wir haben mehr ältere Patientinnen und Patienten, wir kennen komplexere Krankheitsbilder, wir machen mehr Eingriffe. Es gibt keine Operation, keine Behandlung, keinen Spitalaufenthalt ohne Pflegeleistungen.
Jahrelang hat man nur von den Leistungen der Ärzte, von neuen Apparaten und von Medikamenten gesprochen, wenn über den medizinischen Fortschritt diskutiert worden ist. Die Entwicklung der Pflege und vor allem die Stellung der Pflegenden wurden vernachlässigt, weil man immer hoffte, es liessen sich genug uneigennützige, sich aufopfernde Frauen finden, die entweder als Krankenschwester oder als Mutter, Tochter oder Nachbarin professionelle bzw. freiwillige Pflege übernähmen. Diese Haltung, die wir jahrelang praktiziert haben, rächt sich heute. Der Pflegeberuf ist für junge Menschen, die sich in der Berufswahlphase befinden, zu wenig attraktiv. Der Pflegeberuf ist aber auch für Wiedereinsteigerinnen nicht mehr attraktiv genug.
Hier können wir etwas tun, und hier müssen wir etwas tun. Wir können nicht für die Spitäler auf Personalsuche gehen. Wir können mit dieser Motion nicht den Lohn anheben, aber wir können die Attraktivität des Pflegeberufes verbessern, wenn wir der Pflege im Krankenversicherungsgesetz den Stellenwert geben, den sie im Gesundheitswesen tatsächlich hat. Wenn wir in der laufenden KVG-Revision diesen Schritt nicht machen, sehe ich schwarz, denn wir müssen auch bedenken: Alles, was wir heute tun, wirkt sich erst in einigen Jahren aus. Das heisst, wir müssen hier und heute mit den langfristigen Massnahmen auf Bundesebene beginnen. Die Sofortmassnahmen wie Stellenpläne, Lohnmassnahmen usw. bleiben weiterhin Sache der Kantone und der Spitäler.
Ich bitte Sie also ebenfalls, die Motion Joder zu überweisen, und wir werden dann anlässlich der KVG-Revision im Detail anschauen und diskutieren, welche Anliegen dieser Motion wir konkret bereits jetzt ins Gesetz einbauen können.