Lexipedia

Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · 2001-12-03

Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · Zürich · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2001-12-03

Wortprotokoll

Wir laufen in einen Pflegenotstand, wenn nicht bald etwas geschieht. Alle Zeichen stehen auf Sturm:

Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass die Gesamtzahl der Spitaltage in unserem Land laufend zunimmt und dass auch die Zahl der chronisch Kranken und dauernd Pflegebedürftigen immer grösser wird. Dies ist nicht zuletzt eine Folge der an sich erfreulichen Erhöhung der Lebenserwartung. Mit der starken Zunahme der Nachfrage nach pflegerischer Leistung kontrastiert aber die äusserst ungünstige Entwicklung und Situation bei den Pflegenden. Der Personalbestand stagniert nicht nur, sondern zeigt eine rückläufige Tendenz. Schon heute können gesamtschweizerisch zwischen 1000 und 2000 Stellen in der Pflege nicht mehr besetzt werden. Das führt zu Überbelastung des Pflegepersonals, welches ohnehin schon äusserst stark gefordert ist. Die chronische Überforderung lässt die Pflegenden ausbrennen oder gar selbst krank werden. Sie verlassen daher ihren Beruf, und Nachwuchs ist nicht in ausreichendem Masse in Sicht. Der Pflegenotstand hat Auswirkungen auf das ganze Gesundheitswesen. Ohne genügend und ohne qualifiziertes Pflegepersonal können weder Spitäler noch Krankenheime ihre Aufgaben hinreichend erfüllen. Ohne ausreichendes Pflegepersonal erhalten Kranke und Pflegebedürftige eine qualitativ und quantitativ ungenügende Versorgung. Ihre Lebensqualität, ihr Wohlbefinden wird beeinträchtigt, und die Heilungsprozesse werden behindert. In einem Wort: Ohne qualitativ und quantitativ ausreichende Pflegeleistungen ist unser Gesundheitswesen krank.

Die Motion Joder hat diese Problematik nach unserer Ansicht richtig erkannt. Sie zeigt auch den Weg auf, wie wir die gestellten Probleme erfolgreich angehen können, nämlich mit einer generellen Aufwertung der Krankenpflege und einer Stärkung der rechtlichen Stellung der Pflegeberufe. Damit werden diese Berufe wieder attraktiver, die Rekrutierung des Nachwuchses wird erleichtert, und den Burn-out-Effekten sowie der vorzeitigen Abwanderung gerade von erfahrenen Pflegenden wird vorgebeugt.

Sämtliche Mitglieder der evangelischen und unabhängigen Fraktion haben daher im vergangenen Herbst die Motion Joder unterzeichnet und werden auch heute für die Überweisung des Vorstosses stimmen. Davon können uns auch die Argumente des Bundesrates, der die Motion zur Ablehnung empfiehlt, nicht abbringen. Die Motion Joder hebelt nämlich das bestehende KVG nicht aus, sondern ordnet sich durchaus in dieses ein. Sie gibt aber Impulse, mit denen der Pflegeberuf verantwortungsvoller und attraktiver werden kann. Sie wird nicht nur für die Kranken und auf Pflege Angewiesenen mehr Qualität bringen, sondern die Gesundheitsversorgung unseres Landes insgesamt verbessern helfen - und das durchaus ohne Kostensteigerung, wenn die Vorstellungen des Motionärs geschickt umgesetzt werden. Selbstständige Leistungserbringung heisst nicht automatisch Kostensteigerung. Es können Kosten aufgefangen werden, wenn für die Ansetzung der Pflegeleistung nicht der Weg über den Arzt gesucht werden muss.

Persönlich, in meinem Namen, aber auch im Namen der Fraktion empfehle ich Ihnen daher, die Motion Joder zu überweisen.

Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · 2001-12-03 | Lexipedia | Lexipedia