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Fetz Anita · Nationalrat · 2001-12-04

Fetz Anita · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-12-04

Wortprotokoll

Ich spreche im Namen der SP-Fraktion zu den Erhöhungen der Filmkredite. Wir unterstützen selbstverständlich alle Anträge, am liebsten natürlich jenen von bürgerlicher Seite, nämlich den Antrag Polla. Es ist die logische Folge des Beschlusses, den Sie letzte Woche gefällt haben. Sie haben das Filmgesetz angenommen, das den Film fördern soll. Gleichzeitig verwendet der Bund jährlich 17 Millionen Franken für die Filmförderung. Als ich diese Zahl das erste Mal gesehen habe, habe ich gedacht: Mein Gott, mit welchen Peanuts soll hier eine kulturell wichtige Institution gefördert werden? Zum Vergleich: Das Basler Theater allein bekommt das Doppelte; das Zürcher Opernhaus allein bekommt das Vierfache. Den Verkauf von Schweizer Käse im Ausland fördern Sie mit dem zehnfachen Betrag. Es geht hier darum, doch einmal die Relationen zu sehen.

Die SP-Fraktion stimmt der Erhöhung aus drei ganz pragmatischen Gründen zu: Erstens geht es hier um die Förderung [PAGE 1688] der kulturellen Identität der Schweiz. Zweitens betrachten wir diese Erhöhung als klare Wirtschaftsförderung. Drittens gibt es image- und marketingmässige Überlegungen im Ausland, die uns Ja sagen lassen.

Zuerst zur kulturellen Identität: Es gibt in unserem Land einen eigenartigen Widerspruch, der mir immer wieder auffällt. Wir Schweizerinnen und Schweizer werden nicht müde zu betonen, wie viel wert uns unsere spezielle Identität ist; gleichzeitig wollen wir nie irgendwelche Mittel bereitstellen, um das auch darzustellen. Film ist ein Massenprodukt. Film ist die einfachste Art, im Ausland darauf hinzuweisen, dass es uns überhaupt gibt, dass man uns und unsere Werte und Vorstellungen auch anschauen kann. Dazu braucht es aber Geld.

Zur Wirtschaftsförderung: Es macht nicht nur kulturell, sondern vor allem auch wirtschaftlich Sinn, den Kredit zu erhöhen, weil Sie damit eine Branche unterstützen, die hoch qualifizierte Arbeitsplätze, die erst noch standortgebunden sind, anbietet. Sie haben in diesem Saal nun wahrlich schon andere Summen für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und Branchen aufgewendet. In der Sprache der Zahlen kann man sagen: Die Schweizer Filmbranche zählt über tausend Unternehmen; sie erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 1,5 Milliarden Franken und hat eine Wertschöpfung von einer halben Milliarde Franken. Das ist nicht viel, aber es kann mehr werden. Andere europäische Staaten haben längst begriffen, dass die Förderung eigener Filme nicht nur die kulturelle Identität darstellt, sondern ganz simpel und einfach die effizienteste Förderung des Wirtschaftsstandortes ist. Sie investieren höchste Summen völlig unabhängig von der politischen Couleur der Regierungen.

Der letzte Punkt, die Image- und die Marketingstrategie, hat uns am meisten überzeugt. So wie die Städte und Kantone ihre Opernhäuser, Theater und Museen in ihr Standortmarketing einbinden, so erwarten wir, dass der Bund über den Film seine Präsenz im Ausland günstig und effizient fördert. Nun werden sich einige unter Ihnen fragen: Gibt es denn mit mehr Geld bessere Filme? Das ist eine berechtigte Frage. Natürlich macht Geld nicht automatisch Qualität, da bin ich einverstanden, und auch über Geschmack lässt sich streiten. Aber das Umgekehrte gilt eben auch: Von nichts kommt nichts.

Ich schlage Ihnen deshalb einen Deal vor. Überlegen Sie einmal die Sache von einer ganz anderen als von der kulturellen Seite. Betrachten Sie die 30 bis 40 Millionen Franken für die Erhöhung des Filmkredits als Wirtschaftsförderung. Wenn wir in fünf Jahren keinen "return on investment" mit erfolgreichen Schweizer Filmen haben, dann bin ich als Erste dabei, mitzuhelfen, den Filmkredit ganz zu kürzen, denn dann brauchen wir ihn tatsächlich nicht mehr. Denn 17 Millionen Franken sind zu viel, um zu sterben, und zu wenig, um effektiv zu leben. Vor allem reicht es niemals, um marketing- und imagemässig "abdrücken" zu können, wie man in der Managersprache so schön sagt. Deshalb sollten wir dieses Experiment wagen. Sie entscheiden heute also nicht über die Zukunft des Schweizer Films, sondern über die Zukunft der Schweizer Filmwirtschaft; das ist etwas vollkommen anderes.

In diesem Sinne bitte ich Sie, den entsprechenden Anträgen zuzustimmen, insbesondere natürlich dem Antrag Polla.