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Bruderer Wyss Pascale · Ständerat · 2013-11-28

Bruderer Wyss Pascale · Ständerat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-11-28

Wortprotokoll

Auch ich möchte mich kurz äussern, vor allem zu diesem Aspekt des möglichen Wechsels zur Widerspruchslösung. Dass ich auch auf die Revision eintrete, ist klar. Ich gehe auf die allgemeinen Ausführungen zur Revision nicht ein.

Ich möchte mich der Minderheit Gutzwiller anschliessen, welche den Wechsel zur Widerspruchslösung unterstützt, ohne die Hoffnung, dass die verschiedenen geschilderten Probleme alleine durch diesen Wechsel einfach so gelöst werden könnten. Ich tue es aber im Bewusstsein - und damit nehme ich den Verweis von Kollege Schwaller auf die Zeit vor 2006 auf -, dass die Wartelisten und die verschiedenen Probleme nur dann reduziert werden können, wenn die Anstrengungen gleichzeitig auf verschiedenen Wegen, auf möglichst allen Wegen forciert werden. Einer davon kann der Systemwechsel sein. Die anderen Wege - die Information, die Sensibilisierung und an allererster Stelle das Schaffen von Vertrauen - gehören auch dazu.

In Bezug auf das Vertrauen, das bei dieser Frage so wesentlich ist, möchte ich anfügen, dass ich vor den einzelnen Meinungen, seien sie zugunsten der Mehrheit, seien sie zugunsten der Minderheit, und vor den auch sehr persönlichen Erfahrungen, die hinter diesen Meinungen stecken, grossen Respekt habe. Zum Thema Vertrauen möchte ich im Kontext der Diskussion rund um einen möglichen Systemwechsel aber auch die Frage aufwerfen: Ist es nicht so, dass es verschiedene Unsicherheiten und Missverständnisse gibt, was dieser Systemwechsel bedeuten könnte? Die Ausgestaltung des Systemwechsels ist dabei ganz wesentlich. Wenn ein Widerspruch vorliegt, dann ist der Fall klar. Wir sollten, darauf komme ich nachher noch kurz zu sprechen, auch darüber reden, wie wir die Menschen dazu bringen, sich in ihrer Selbstbestimmung mit dieser Frage auseinanderzusetzen und nach Möglichkeit für sich eine Antwort auf diese Frage zu finden und zu manifestieren. Wenn ein Widerspruch vorliegt, ist der Fall klar.

Wenn kein Widerspruch vorliegt, dann folgt das Gespräch mit den Angehörigen. Wir dürfen uns meines Erachtens nicht Sand in die Augen streuen und sagen, dass die Situation für die Angehörigen erst dann ganz schwierig wird. Die Situation ist auch heute für die Angehörigen sehr schwierig und eine grosse Herausforderung. Es ist sicher immer von Vorteil, wenn die Angehörigen in einer solchen Situation Anhaltspunkte darüber haben, wie die betroffene, die verstorbene Person sich selber zu dieser Frage gestellt hat. Gestern wurde in der Sendung "10 vor 10", die ich mir auch angeschaut habe, eindrücklich geschildert, dass in diesem Gespräch, das sehr behutsam erfolgen muss, diese Fragen - es sind meines Erachtens die schwierigsten Fragen überhaupt - angegangen werden und dass dabei auch der nachgeschobene Widerspruch eine wichtige Bedeutung hat. Das gilt es auch zu beachten.

Noch einmal: Eine Frage, die im Zentrum steht, aber noch nicht so klar geäussert wurde, ist folgende: Wie können wir die Menschen dazu bringen, sich selber ganz individuell und ganz frei, frei von Druck und auch von moralischen Zwängen, von denen man vielleicht annimmt, dass sie in der Gesellschaft vorhanden sind, mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es aus ihrer Sicht aussieht? Dürfen wir die Menschen dazu bringen, dass sie im Idealfall eine Antwort auf diese Frage finden und diese auch manifestieren, damit vor allem die Angehörigen darüber im Bild sind und nicht diesen wahnsinnig schweren Entscheid fällen müssen?

Ich bin überzeugt davon, dass die Selbstbestimmung im Zentrum stehen muss, und das setzt eine Auseinandersetzung mit dem Thema voraus. Ich gebe Herrn Gutzwiller Recht: Die Auseinandersetzung mit dieser Frage - nicht als Frage auf gesellschaftlicher Ebene, sondern als Frage, die jeder für sich ganz persönlich beantworten muss - ist dabei vorauszusetzen. Ich glaube fast, dass hier das grosse Problem liegt, dass auch deshalb die Situation besteht, dass die Beweggründe für die Zustimmung zum Antrag der Minderheit oder für die Zustimmung zum Antrag der Mehrheit sehr nahe beieinanderliegen können. [PAGE 996]

Ich werde mit der Minderheit stimmen, bin aber - abgesehen von unserem Entscheid für die Minderheit oder die Mehrheit - der absoluten Überzeugung, dass wir im Interesse der Menschen, die heute oder künftig auf Organspenden angewiesen sind bzw. sein werden, verpflichtet sind, unsere Anstrengungen zu forcieren. Daher unterstütze ich in allererster Linie diese Revision und die Suche nach einem Massnahmenpaket, nach einer Kombination verschiedenster Massnahmen, wie es auch Kollegin Maury Pasquier gesagt hat. Im Sinne einer weiteren Möglichkeit und eines weiteren Weges, den man gehen kann, empfehle ich zusätzlich, der Minderheit zu folgen.