Kofmel Peter · Nationalrat · 2000-03-07
Kofmel Peter · Nationalrat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2000-03-07
Wortprotokoll
Die Motion verlangt die Förderung der seit einigen Jahren bestehenden Sportmittelschulen des alpinen Skirennsportes, und zwar mit zwei Mitteln: Erstens sollen gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, und zweitens - das ist heute vielleicht der wichtigere Punkt - sollen dringliche Sofortmassnahmen zur direkten Unterstützung dieser Schulen geprüft werden.
Der Zweck ist ebenfalls ein zweifacher: Im Allgemeinen soll ein Beitrag dafür geleistet werden, dass die Schweizer Skinachwuchsförderung im internationalen Kontext konkurrenzfähig bleibt. Im Besonderen sollen bei den bestehenden Schulen finanzielle Engpässe überwunden werden.
Der Ständerat hat diese Motion Hess Hans mit 15 zu 14 Stimmen als Motion überwiesen. Der Bundesrat will nur ein Postulat akzeptieren. Ihre WBK, für die ich hier sprechen darf, beantragt Ihnen mit 11 zu 9 Stimmen eine Überweisung als Postulat. Die Minderheit I (Bezzola), zu der ich übrigens auch gehöre, besteht aus sechs Mitgliedern und beantragt Überweisung als Motion. Die Minderheit II (Fehr Jacqueline) besteht aus sieben Mitgliedern und lehnt den Vorstoss sowohl als Motion als auch als Postulat ab.
Warum wurde so kontrovers diskutiert? Die Schweiz tut sich mit Sport, insbesondere mit Spitzensport, recht schwer. Wir alle sind gerne bereit, uns auf die Schultern zu klopfen und stolz zu sein, wenn Goldmedaillen heimgebracht werden. Aber diesen Erfolg haben wir lieber zum Nulltarif. Dass Breite schon definitorisch auch Spitze braucht, ist in unserem Land nicht allgemeine Überzeugung.
Der Bundesrat hat Ende letztes Jahr gehandelt und einen Grundstein für ein sportpolitisches Konzept gelegt. Das war - am 20. Dezember 1999 - ein schönes Weihnachtsgeschenk an den Schweizer Sport.
Der Bundesrat will damit für die ganze Bevölkerung günstige Voraussetzungen für genügend gesundheitswirksame Bewegung und Sport schaffen.
Der Bundesrat hat aber in diesem sportpolitischen Konzept klar die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, auch den Spitzensport zu fördern. Dies ist auch im Sinne der Kommissionsmehrheit. Breite braucht Spitze; wo es keine Spitze hat, wird es nie Breite geben.
Eine knappe Kommissionsmehrheit - der Beschluss fiel mit 11 zu 9 Stimmen - ist dieser Argumentation gefolgt und will auf ein Gesamtkonzept warten. Sie will das Anliegen des Motionärs in eine Gesamtschau des Schweizer Sportes integrieren. Zudem hat die Kommissionsmehrheit argumentiert, es sei etwas allzu eng fokussiert, nur die Sportmittelschulen und nur den alpinen Skirennsport zu fördern.
Das hat die Minderheit I nicht gestört. Sie will jetzt etwas tun; sie will dort etwas tun, wo es nötig und möglich ist, dort, wo überhaupt schon etwas besteht, wo schon private Initiativen ergriffen wurden. Die Minderheit I will nicht auf ein Konzept warten; sie will nicht warten, bis die privat getragenen Sportmittelschulen in noch grösseren finanziellen Nöten stecken. Sie will das Pflänzchen giessen, bevor es verdorrt, ein Pflänzchen übrigens, das wunderschöne Blüten treibt - unser Kollege Engelberger wird sich gefreut haben.
Die Minderheit II setzt genau hier an. Sie sieht diesen Erfolg, sie sieht die Werbewirksamkeit und die Medienträchtigkeit des Skirennsportes und findet, da brauche es keine Unterstützung. Vielmehr sei der Breitensport zu fördern, und es sei unfair, nur Sportmittelschulen - sozusagen nur die akademische Sportjugend - und nur den alpinen Skirennsport zu fördern.
Die Mehrheit war offener; sie votierte für eine Überweisung des Vorstosses als Postulat. Das Anliegen wird von der WBK grundsätzlich ernst genommen, sie will das Anliegen aber gesamthaft in das Schweizer Sportkonzept integrieren.
Ich bitte Sie namens der Mehrheit der WBK und des Schweizer Sportes, einen mutigen Entscheid zu fällen und die vorliegende Motion mindestens als Postulat zu überweisen.