Fehr Jacqueline · Nationalrat · 2000-03-07
Fehr Jacqueline · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-03-07
Wortprotokoll
Ich sehe mich in der äusserst seltenen Lage, im Resultat gleicher Meinung wie unser alt Kollege Werner Vetterli zu sein: Diese Motion ist nicht zu überweisen, auch nicht als Postulat.
Ich frage Sie: Kann es Aufgabe des Bundes sein, private Sportmittelschulen zu fördern, wenn gleichzeitig die Kantone beim Schulsport sparen wollen? Kann es Aufgabe des Bundes sein, Spitzensportler in prestigeträchtigen und telegenen Sportarten zu fördern, während Tausende von Lehrlingen nach wie vor auf die längst beschlossenen Turnhallen warten?
Der Vorstoss ist nicht nur zu eng gefasst, er ist auch sachlich falsch. Es fehlt die nötige Verfassungsgrundlage, und es fehlt an der nötigen bildungspolitischen Konzeption. Ich bin damit einverstanden, dass Kinder und junge Menschen mit ausserordentlichen Begabungen genauso gefördert werden müssen wie solche mit verminderten Begabungen. Hier müssen tatsächlich Korrekturen vorgenommen werden, und hier ist insbesondere auch in linken Kreisen noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Doch solche Begabtenförderung muss selbstverständlicher Bestandteil unseres Bildungswesens sein. Ob Kinder sportlich, künstlerisch, sprachlich oder mathematisch besonders begabt sind, darf keinen Unterschied machen. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass diese Kinder nicht in spezialisierten Eliteschulen ghettoisiert werden, sondern dass ihnen Schule und Ausbildung den Raum geben, damit sie ihre Talente fördern und sie zum Blühen bringen können.
Wichtig ist dabei, dass zwischen akademischen und nichtakademischen Ausbildungen kein Unterschied gemacht wird. Ich möchte Ihnen die lange Liste erfolgreicher [PAGE 34] Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer ersparen, mit der uns Herr Vetterli in der Kommission belegt hat, dass ein Mittelschulabschluss keine Bedingung für den sportlichen Erfolg sein muss. Ich möchte Ihnen auch die lange Liste derjenigen Sportarten ersparen, in denen die Schweiz auch schon einmal Spitzenleistungen erbracht hat und die damit auch schon etwas für den Tourismus in der Schweiz getan haben, die dies aber heute - wie im Skisport - nicht mehr tun und deshalb in der Logik des Motionärs unterstützungswürdig wären.
Stattdessen möchte ich Sie dazu auffordern, diesen Vorstoss weder als Motion noch als Postulat zu überweisen, sondern sich dann wieder an die Begabtenförderung zu erinnern, wenn es um kantonale und eidgenössische Bildungsfragen und Bildungskredite geht.