preparatory:AB 170297
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2014-12-11
Wortprotokoll
Es ist für mich und für den Bundesrat keine Frage, dass wir die höhere Berufsbildung und damit die Berufsbildung insgesamt weiter stärken müssen. Die Gleichwertigkeit bei Andersartigkeit muss eine Devise bleiben. Der Bundesrat hat gehandelt, er hat ein ganzes Massnahmenpaket in Kraft gesetzt. Ich erinnere daran, dass die Verordnung betreffend den nationalen Qualifikationsrahmen seit dem 1. Oktober in Kraft ist. Dieser nationale Qualifikationsrahmen muss jetzt ausgearbeitet werden, relativ aufwendig, das gebe ich gerne zu, aber er wird dann ermöglichen, dass der Arbeitgeber auf Anhieb sehen kann, wen er mit welcher Qualifikation vor sich hat. Es ist richtigerweise auch gesagt worden, dass sich der nationale Qualifikationsrahmen erst noch im europäischen Qualifikationsrahmen wiederfinden muss, sodass eben auch europäische Arbeitgeber ihrerseits mit null Aufwand erkennen können, wen sie als Kandidaten aus der Schweiz vor sich haben.
Wir haben wiederholt in Aussicht gestellt, dass wir zusätzliche Mittel für die Subjektfinanzierung - Prüfungsvorbereitungen sind angesprochen - zur Verfügung stellen werden. Das konkretisiert sich; in der BFI-Botschaft wird es sich um einen zusätzlichen Betrag in der Grössenordnung von 60 bis 100 Millionen Franken für diese Unterstützung handeln.
Dann zur Titelfrage: Dazu hat der Bundesrat auch klar Stellung genommen, das ist ja eigentlich das Thema. Der Bundesrat hat gesagt, dass er keine Titelvermischung und keine akademischen Titel im Berufsbildungsbereich will, und zwar im Interesse der Betroffenen. Ich war froh zu sehen, dass Ihre vorberatende Kommission mit ihrer Empfehlung auf Ablehnung der Motion Aebischer Matthias zu dieser Titelfrage eine doch sehr klare Antwort gegeben hat. Ich bitte Sie, dieses Zeichen hier und heute auch klar zu setzen. Wir brauchen eine politische Guidance, damit wir unsere Arbeit zielstrebig weiterführen können.
Ich muss Ihnen ja nicht sagen, dass ich ein Verfechter der Berufsbildung bin. Wieso will ich die Berufsbildung haben, wieso will ich sie gestärkt haben, und wieso will ich sie befördern? Auch ein Stück weit, um der Akademisierung entgegenzuwirken - ganz einfach deshalb, weil ich glaube, dass es auf diesem Weg diesem Land auch weiterhin gelingen wird, eine industrielle Basis zu erhalten. Nur wenn das der Fall ist, wird es uns gelingen, die Jugend in die Arbeitswelt zu bringen, das heisst, die Jugendarbeitslosigkeit auf ganz tiefe Werte reduzieren zu können. Das ist eine Leistung. Diese Leistung vollbringen wir heute, diese Leistung wird anerkannt. Dafür werden wir bewundert, um das ganz unbescheiden zu sagen. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht mit internationalen, interessierten Fachleuten in Kontakt sind, die gerne lernen wollen, wie unser System tatsächlich funktioniert. Sie würden es gerne kopieren und können das einfach nicht, weil unser System in dieser ausserordentlichen Qualität über Generationen und über Jahrzehnte aufgebaut worden ist. Ich warne also davor, dieses System jetzt mit einem auch etwas von Prestige getriebenen Thema zu belasten.
Wir haben im Jahr 2013, das wissen Sie, eine Analyse zur Titeläquivalenz gemacht. Der erhoffte zusätzliche Prestigegewinn über den Professional Bachelor und Professional Master konnte in dieser Analyse nicht eruiert werden, im Gegenteil: Es wurde in dieser Analyse darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns ein Problem einhandeln könnten. Denn es könnte dann zu Titelverwechslungen kommen: Ist es ein akademischer Titel, ist es ein nichtakademischer Titel? Dies wäre mit dem Risiko verbunden, dass man plötzlich von Etikettenschwindel und von einem Zweiklassensystem spricht. Das will niemand. Aber ich sage an dieser Stelle, dass wir das Postulat selbstverständlich ernst nehmen. Und selbstverständlich werden wir aufgrund des Postulates die ganze Frage noch einmal äusserst gründlich abhandeln. Wir tun das erst noch zeitnah, damit wir die Erkenntnisse in unsere Umsetzungsarbeit aufnehmen können. Damit habe ich gesagt, dass wir das Postulat ernst nehmen.
Ich bitte Sie, die Motion Aebischer Matthias abzulehnen, dem Bundesrat zu folgen, Ihrer vorberatenden Kommission zu folgen, in weiten Teilen den Verbundpartnern - die 23 Briefschreiber wurden angesprochen - zu folgen und mitzuhelfen, dass wir möglichst schnell Klarheit bei diesen Titelbezeichnungen bekommen. Klarheit muss sein. Klarheit muss auch sein zugunsten der betroffenen jungen Leute, die eine Arbeitsstelle finden wollen.
Ich habe hier vor mir die ersten Titelentwürfe - sie wurden zum Teil zitiert. Wir sind am Arbeiten. Das kann und muss noch vereinfacht werden. Wir brauchen sprechende, einfache Titel, die man nicht hinterfragen muss. Das hat gar nichts mit einem ausländischen Manager in einer Schweizer Firma oder mit einem ausländischen HR-Verantwortlichen in einer ausländischen Firma oder mit einem Schweizer in einem Schweizer Unternehmen zu tun; es muss sprechend sein, es muss klar sein, was dahintersteckt. Dahinter steckt das praxis- und nachfrageorientierte duale System. Dieses ist zu stützen, und dafür ist die bestmögliche Lösung zu finden. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind an der Arbeit, wir haben die Weichen gestellt. Ich bitte Sie, ein klares Zeichen zu setzen, sodass wir weiterarbeiten können.
Dann bin ich noch eine Antwort schuldig auf die Frage von Herrn Ständerat Berberat, der gefragt hat, wie viele Mittel wir dann einsetzen wollen, um die Berufsbildung und die höhere Berufsbildung insgesamt besser bekanntzumachen. Wir werden die Antwort zweifellos mit der BFI-Botschaft 2017-2020 geben. Aber wir investieren schon jetzt laufend Mittel, um dieses System weiteren Kreisen beliebt machen zu können. Es ist nicht ganz von ungefähr, dass vor ein paar Wochen der Weltbankpräsident beim Schlusswort an der [PAGE 1311] Weltbankkonferenz der ganzen Community gesagt hat, es gebe zwei Länder, die ein Rezept hätten, das mithelfe, dass die Arbeitslosigkeit sehr bescheiden sei; das seien Deutschland und die Schweiz. Und er hat das Berufsbildungssystem expressis verbis erwähnt. Es ist also dort bereits angekommen. Selbstverständlich sorgen wir dafür, dass dieses Erfolgsrezept bekannt wird. Aber ich kann Ihnen jetzt nicht irgendeinen Frankenbetrag nennen; in der BFI-Botschaft wird das der Fall sein.
[VS]