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Eder Joachim · Ständerat · 2014-12-11

Eder Joachim · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion · 2014-12-11

Wortprotokoll

Gestatten Sie mir einige Ausführungen unter dem Aspekt "Die scharfen Profile erhalten". Man soll Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichen, lautet eine gängige Redensart, doch in so manchem Vergleich ist gerade die Trennschärfe verschiedener Profile entscheidend, z. B. wenn es um die Bewertung von unterschiedlichen Bildungsabschlüssen im Arbeitsmarkt geht.

In der Schweiz herrscht mehrheitlich Konsens, dass die eidgenössischen Diplome der höheren Berufsbildung besser mit akademischen Titeln vergleichbar werden sollen. Im Raum steht nun der Vorschlag von Nationalrat Matthias Aebischer und einer beachtlichen Anzahl von 72 Mitunterzeichnenden, in der Berufsbildung die neuen Titel "Professional Bachelor" und "Professional Master" einzuführen. Über die Anlehnung an die akademischen Titel soll der grosse Wert dieser Ausbildung auch im Ausland besser erkennbar sein. Der Nationalrat sagte dazu vor einem halben Jahr Ja. Mir persönlich erscheint dieser Weg riskant. Er führt nicht zum erhofften Ziel. Vielmehr droht eine Vermischung von akademischen Titeln und Abschlüssen der höheren Berufsbildung. Genau dies gilt es zu verhindern. Die Einführung eines nationalen Qualifikationsrahmens ist vielversprechender für die Anerkennung der Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Das Nebeneinander der verschiedenen Bildungswege ist eine der grössten Stärken unseres Schweizer Systems. Die unterschiedlichen Profile müssen deshalb auch in Zukunft klar erkennbar sein. Ich persönlich will die Berufsbildung stärken und die schleichende Verakademisierung verhindern.

Noch kurz einige Worte zum Minderheitssprecher, der zusammengefasst von einer Vereinfachung und einer besseren Etikette gesprochen hat, wenn ich ihn richtig verstanden habe: Zusätzliche neue oder ergänzende Titel können bei Arbeitgebern, wenn es um die Rekrutierung geht, und bei Studierenden, wenn die Studienwahl bevorsteht, zu Verwirrung führen. Die gut eingeführten Profile zwischen akademischen und beruflichen Bildungswegen werden vermischt anstatt weiter geschärft. Letztlich ist auch eine stärkere Orientierung der Institutionen der höheren Berufsbildung an der Hochschulwelt statt an der Arbeitswelt zu befürchten. Diese würde dann zu einer unerwünschten Akademisierung führen.

Aus diesen Gründen bitte ich Sie, die Motion abzulehnen und unser Kommissionspostulat, welches eine Lagebeurteilung zur Titeläquivalenz in der höheren Berufsbildung fordert, anzunehmen. Ich gehe davon aus, dass unser Wirtschaftsminister dann zum Kommissionspostulat, das der Bundesrat ja annehmen will, noch einige Ausführungen machen und dass er diese Frage ernsthaft anpacken wird.