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Engler Stefan · Ständerat · 2014-12-11

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Fraktion CVP-EVP · 2014-12-11

Wortprotokoll

Bis auf Kollege Zanetti haben sich alle Votantinnen und Votanten gegen die Annahme der Motion ausgesprochen. Ich verstehe mich als Zweitstimme für die Annahme dieser Motion und möchte eine Lanze brechen für die berufliche Weiterbildung. Zu meiner Interessenbindung: Ich bin Präsident des Fördervereins des Instituts für berufliche Weiterbildung der Höheren Fachhochschule Südostschweiz.

Ich hielte die Ablehnung der Motion Aebischer durch den Ständerat - und das im Jahr der Berufsbildung! - für ein fatales und falsches Zeichen für die höhere Berufsbildung. Man würde damit ohne Not die höhere Berufsbildung als Perspektive der beruflichen Grundbildung in ihrer Attraktivität für Eltern und Schüler massiv behindern, das für jene zwei Drittel der Bevölkerung, die mit einer Lehre in das Berufsleben einsteigen. Jede Grundbildung ist nur dann interessant, wenn nach dem Abschluss auch ein adäquater Anschluss vorhanden ist. Die höhere Berufsbildung ermöglicht und eröffnet Lehrabgängern diesen interessanten Anschluss, und - es wurde von Kollege Zanetti zu Recht betont - in einer zunehmend internationalen Gesellschaft sind verständliche Titel unabdingbar. Das Argument der Gegner, dass es dadurch zu einer Verwirrung und zu einer [PAGE 1310] Vermischung komme, kann ich nicht nachvollziehen. Es geht ja nicht darum, die bekannten Abschlüsse zu ersetzen, sondern vielmehr um eine Übersetzung, die von den Studierenden und den Firmen national und international auch verstanden wird.

Das Argument der Verakademisierung wurde auch häufig genannt. Auch dieses Argument halte ich für abstrus. Mit der Vergleichbarkeit der Titel wird ja gerade diesem Argument entgegengetreten. Heute ist es so - und ich frage Sie: Ist das besser? -, dass viele Anbieter auf der Stufe Tertiär B versuchen, mit Fachhochschulen oder sogar ausländischen Universitäten Vereinbarungen zu treffen, um ihren Absolvierenden einen Bachelor- oder einen Master-Titel mitgeben zu können.

Schliesslich noch ein Argument aus den Randregionen: Für Regionen ohne eigene Universitäten und ohne Hochschulen ist die höhere Berufsbildung von wirtschaftlich vitalem Interesse. Nur so kann ein noch stärkerer Braindrain verhindert und eine gewisse wirtschaftliche Entwicklung im Bereich der Berufsleute aufrechterhalten werden.

Mein Fazit: Es geht hier nicht in erster Linie um das Prestige, sondern es geht um Anerkennung und Wertschätzung der höheren Berufsbildung. Es geht nicht um neue Titel, sondern lediglich um verständliche Übersetzungen. Vor zehn Jahren wollte das Parlament die Berufsbildung zu Recht stärken. Wir stehen immer noch in den Anfängen. Es wird mir sogar gesagt, man sei in der Zwischenzeit sogar noch zurückgefallen.

Ohne eine starke, attraktive höhere Berufsbildung wird auch keine starke Grundbildung in der Berufsbildung mehr möglich sein. Gerade der momentane demografische Wandel wird den Fachkräftemangel noch verstärken, und der Wettbewerb zwischen den Systemen Tertiär A und Tertiär B besteht, wenn die Politik nicht langsam Zeichen in Richtung Unterstützung der beruflichen Weiterbildung setzt.

Ein letztes Argument: Ich habe in diesem Zusammenhang eine Frage an die Vertreter der Fachhochschulen. Sie mussten ja auch dafür kämpfen, dass Berufslernende eine Berufsmatura machen können, eine gleichwertige, aber andersartige Matura als die gymnasiale Matura. Die Universitäten und die ETH wollten verhindern, dass Fachhochschulen den Ingenieurtitel verleihen können. Jetzt stellt sich für mich die Frage: Warum soll gegenüber der höheren Berufsbildung nicht gelten, was Sie selber gegenüber den Universitäten und der ETH in Anspruch genommen haben?

Ich unterstütze die Motion Aebischer Matthias.