Flückiger-Bäni Sylvia · Nationalrat · 2015-03-04
Flückiger-Bäni Sylvia · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-03-04
Wortprotokoll
Ich muss schon sagen, dass ich mir hier in diesem Saal teilweise schon so vorkomme wie David gegen Goliath. Es kann ja nicht verboten sein, sich Sorgen um die Kinder zu machen. Zudem kann man doch auch geteilter Meinung sein, was man dann auch sachlich sagen kann.
Warum soll es für den Kindergarten und die erste und die zweite Primarklasse keinen Sexualkundeunterricht geben? Ganz einfach: Ein früher Sexualkundeunterricht bringt nichts, sondern schadet eher. Kleine Kinder sind leicht beeinflussbar und leicht manipulierbar. Vor dem zehnten Altersjahr braucht es keinen Sexualkundeunterricht. Das bestätigen auch Fachkräfte wie zum Beispiel der Kinderarzt und Professor Remo Largo: Ein Präventionsunterricht mit Sexualkunde könne kleine Kinder gar nicht in ihrer Welt abholen und führe nur zu einer Verletzung ihrer Schamgefühle. Die Vorstellung, Sexualkundeunterricht könne präventiv vor Übergriffen schützen, ist schlicht und einfach falsch und ein Irrglaube unserer von der Rundumprävention beseelten Zeit.
Das Ziel der Volksinitiative ist es, die Rechte der Eltern im Bereich der Sexualerziehung zu stärken. Es geht nicht darum, Aufklärung oder Schutz vor Missbrauch zu verhindern, sondern gegen die Frühsexualisierung anzugehen. Denken wir beispielsweise an das Nationale Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen 2011-2017 des Bundesamtes für Gesundheit. Es sieht ausdrücklich vor, dass die Eltern ihre Kinder vom obligatorischen Sexualunterricht nicht dispensieren lassen dürfen. Man muss sich diese Bevormundung einmal vorstellen! So kann es doch nicht gehen! Der Staat schreibt Sexualunterricht vor und verkauft das als Prävention? Dagegen müssen wir uns wehren.
Der Bundesrat befürchtet offenbar, eine Annahme der Volksinitiative würde dazu führen, dass kein effizienter Präventionsunterricht bezüglich sexuellen Missbrauchs mehr gewährleistet werden könne. Er erwähnt das an sage und schreibe neun verschiedenen Stellen, nämlich - falls Sie das nachlesen wollen - auf den Seiten 2, 3, 9, 14, 15, 17, 18, 21 und 26 der Botschaft. Richtig ist vielmehr, dass die Initiative einen klaren Trennstrich zieht zwischen sinnvollen Informationen über den Körper und dessen Funktionieren und einem einheitlichen und frühen Sexualunterricht. Damit soll den Eltern auch die Möglichkeit gegeben werden, den Kindern ihre Werte zu vermitteln. Selbstverständlich soll unterrichtet werden, wie der Körper funktioniert und welche Krankheiten es gibt, aber bitte alles zu seiner Zeit und im richtigen Alter.
Den Initianten schwebt mit ihrem Text ein klares Konzept vor, nämlich:
1. Sie wollen einen Unterricht mit dem Ziel der Prävention gegen Kindsmissbrauch, aber ohne Sexualisierung. Mit einem solchen neuen Artikel in der Verfassung wird eben echte und sinnvolle Prävention verlangt.
2. Sie wollen eine Regelung ohne obligatorischen Sexualkundeunterricht, damit Raum bleibt für die Werte der Eltern.
3. Sie wollen eine Altersgrenze beim neunten Altersjahr für freiwilligen Sexualkundeunterricht, womit die Initiative Freiraum gewährt für diejenigen Eltern, welche dies wünschen.
4. Sie wollen für jedes Kind ab dem zwölften Altersjahr einen obligatorischen Biologieunterricht, der Aufklärung über die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung sowie über Krankheiten ermöglicht.
Ich gehe davon aus, dass die meisten von uns der Meinung sind, dass die sexuelle Erziehung ein sehr sensibles Thema ist und mit grösster Sorgfalt behandelt werden muss. Kinder und Jugendliche liegen doch uns allen besonders am Herzen und brauchen unseren besonderen Schutz - deshalb die Bezeichnung "Schutz-Initiative" -, gerade auch, wenn es um Sexualität geht.
Nehmen wir also unsere Verantwortung wahr, und empfehlen wir ein Ja zu dieser Volksinitiative. Und noch ein Wort: Lassen wir doch die Kinder Kinder sein. Der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug.