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Bortoluzzi Toni · Nationalrat · 2015-03-04

Bortoluzzi Toni · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-03-04

Wortprotokoll

Ich bin erstens einmal etwas erstaunt, dass Herr Bundesrat Schneider-Ammann hier anwesend ist, der Volkswirtschafter. Vielleicht kann er uns dann erklären, wie seine Anwesenheit begründet ist.

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit unseres Rates hat sich bereits 2011 mit der Frage der Sexualpädagogik befasst und sich über das Engagement des Bundesamtes für Gesundheit in diesem Bereich orientieren lassen. Das Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz hat vom Bundesamt für Gesundheit den Auftrag erhalten, Grundlagen für eine schweizweite Verankerung von Themen im Bereich Sexualität und Beziehung für die Schule zu erstellen. Als gesetzliche Grundlage für den Auftrag dieser Hochschule wurde das Epidemiengesetz genannt. Unter diesem Titel wurde ein Grundlagenpapier "Sexualpädagogik und Schule" erarbeitet; ich habe es hier und werde noch einiges daraus zitieren. Dieses Grundlagenpapier bietet eine Legitimation für die Integration von sexualpädagogischen Themen in die Lehrpläne. Frau Galladé, die kantonale Hoheit in diesem Bereich in Ehren, aber hier wird der Bund tätig, mit einer Bewilligung des Bundesrates, um Grundlagen für die Kantone zu erarbeiten. Ob sie diese gebrauchen oder nicht, ist natürlich ihnen überlassen.

Der "Leitfaden Lernziel sexuelle Gesundheit" ist eigentlich das Thema dieser Studie. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden; das ist klar. Allein aufgrund von solchen allgemeinen Formulierungen könnte man das annehmen, auch die Initiative widerspricht selbstverständlich dieser Zielsetzung nicht.

Wenn man allerdings dann die empfohlenen Entwicklungsschritte im Grundlagenpapier etwas genauer ansieht, findet man die Erklärung dafür, was zur Initiative geführt hat. Für das Alter von vier Jahren beispielsweise wird geschrieben - und hier liegen die Probleme -: Einer der "Entwicklungsschritte", immer für Vierjährige, sei "Selbststimulation (orgasmusähnliche Reaktionen)". Unter "Verhalten und Erleben", auch für Vierjährige, heisst es: "Entdecken von Körperregionen als Quelle neuer Lustgefühle: bewusstes, wiederholtes Manipulieren von Körperstellen, auch der Genitalien". Das ist also die Empfehlung der Sexualpädagogik für Vierjährige in dieser Arbeit.

Für Fünfjährige geht es dann weiter: "Spielerisches Erkunden von Geschlechterrollen: Rollenspiele (Vater-Mutter-Spiele, Familien mit zwei Müttern/Vätern, einem Elternteil, Verliebtsein, Geschlechtsverkehr)" - das wäre dann für Fünfjährige. Sie können es nachher anschauen, es steht hier schwarz auf weiss. Es stammt nicht von mir, es stammt von dieser Hochschule. Es kommt von einer Hochschule; es sind wirklich Fachleute, die das geschrieben haben.

Sehen Sie, ich unterstütze die Initiative, weil solche theoretischen, gesellschaftsfremden pädagogischen Höhenflüge eingeschränkt werden müssen. Das ist der Grund meiner Unterstützung für diese Initiative. Ich habe nichts gegen einen altersgerechten Schulunterricht ab neun Jahren, was Sexualität und Beziehung betrifft, unter Einbezug der Eltern, weil die Eltern im Zentrum dieser Aufgabe stehen. Gegen die Beteiligung der Schule ist nichts einzuwenden. Diese Beteiligung schränkt übrigens auch die Initiative nicht ein. Was die Initiative nicht gutheisst, ist die genannte Kleinkinder-Erziehungsmethode, wie sie in einigen Köpfen von Pädagogen offensichtlich ernsthaft ausgedacht wurde. Natürlich ist aufgrund der Empörung in der Bevölkerung, nachdem das bekanntwurde, die entsprechende Abteilung aufgelöst worden. Die ganze Sache ist versandet und verschwunden; man spricht nicht mehr darüber. Der Sexkoffer ist unterdessen auch weg.

Sehen Sie, es braucht diese Initiative mit dieser Formulierung. Ich gehe nämlich davon aus, dass solche Fehlleistungen in einem sensiblen Bereich, die ich Ihnen hier zitiert habe, doch wieder Aufnahme in Lehrpläne finden werden und dass man plötzlich doch dazu übergehen wird, diese Vorschläge wieder aufzunehmen. Der Staat ist hier nicht die richtungsweisende Erziehungseinrichtung.

Ich bitte Sie darum, dem Antrag der Minderheit zuzustimmen und die Initiative zu unterstützen.