Fetz Anita · Ständerat · 2014-06-19
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2014-06-19
Wortprotokoll
Nach diesem überaus erhellenden Votum von Kollege Theiler erlaube ich mir dennoch, Ihnen ein paar Überlegungen dazu mitzuteilen, warum ich finde, man sollte hier eintreten und das Gesetz zurückweisen.
Es ist klar, gewalttätige Randalierer sind keine Fans, sondern es sind vertrottelte Idioten und Spielverderber. Das ist ungefähr ein Prozent der Leute, die sich rund um den Fussball bewegen. Für mich ist auch klar, bei Gewalt gibt es null Toleranz. Aber schauen Sie, das ist genau der Grund, warum ich für die Rückweisung bin: Ich verstehe alle Kolleginnen und Kollegen, denen der Geduldsfaden reisst und die sagen, man müsse jetzt endlich handeln und etwas tun. Ja, gucken Sie einmal das Gesetz genau an! Auf den ersten Blick tönt das wunderbar nach handeln. Mit etwas Praxiswissen wird aber rasch klar, dass es nicht umsetzbar ist.
Es sind eben keine griffigen Massnahmen, Kollege Bieri. Geplant ist nämlich, dass die Matchbesucher bei Risikospielen zwingend die Fanzüge benutzen müssen. Der Zugang zu normalen Zügen ist dann nicht mehr erlaubt. Wie wollen Sie das kontrollieren? Machen Sie das anhand der Fanschals und Fanshirts? Nehmen Sie die Rucksäcke auseinander und schauen nach, ob dort drin ein Fanartikel ist? Oder nehmen Sie mein Beispiel: Ich gehe ab und zu einmal an ein Auswärtsspiel des FCB. Ich würde nie im Leben in einen Fanzug einsteigen. Das mache ich nicht; da hat es mir viel zu viel Testosteron drin. Das brauche ich nicht. Ich gehe ordentlich mit dem Zug, auch wenn das Billett doppelt so teuer ist wie das Fanbillett.
Was Sie mit dieser Vorlage erreichen, ist nichts anderes, als dass die Bahnhöfe bei solchen Spielen voller Polizisten sind; vielleicht müssen es sogar SBB-Angestellte sein. Frau Bundesrätin, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie ganz konkret sagen würden, wie man das dann genau umsetzt. Wer macht die Kontrolle, wer macht die Triage und sorgt dafür, dass die richtigen Leute in die Fanzüge gehen? Vielleicht werden auch Securitas-Leute angestellt, ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass es eine Alibiübung ist. Man tut so, als ob man handeln würde, aber real wird sich nichts verändern, und die Kosten werden durch die Kontrollen nicht kleiner, sondern grösser werden. Machen Sie sich nichts vor!
Ich bin aber gleichzeitig der Meinung - und da möchte ich gerne einmal den Klubs "die Zündung einstellen" -, dass es natürlich nicht geht, jahrelang Gespräche zu führen, ohne dass etwas herausschaut. Ich erwarte von den Klubs, dass sie innerhalb eines Jahres ein ernsthaftes Commitment übernehmen. Das YB-Modell mit seinem Chartervertrag ist bekannt; es ist ein gutes Modell, das von allen akzeptiert ist. Mit "allen" meine ich auch den FCB und GC und alle anderen. Wenn das nicht der Fall ist, machen wir lieber eine Lex Fussballclub, in welcher wir diese an die Kandare nehmen, statt eine Lex SBB, die nichts nützen wird.
Ich bin deshalb für Rückweisung.