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Graf Maya · Nationalrat · 2013-09-09

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2013-09-09

Wortprotokoll

Leider müssen wir diese Session mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Ständeratspräsidenten Otto Schoch, der am 5. Juli 2013 in seinem 79. Lebensjahr verstorben ist. Der gebürtige Herisauer Otto Schoch wurde 1983 von den Stimmberechtigten von Appenzell Ausserrhoden in den Ständerat gewählt. Er vertrat seinen Kanton in der Kleinen Kammer während 14 Jahren. Zuvor gehörte er bereits von 1969 bis 1978 dem Ausserrhoder Kantonsrat an. Als promovierter Jurist führte er in St. Gallen eine eigene Anwaltskanzlei.

Otto Schoch präsidierte den Ständerat im Amtsjahr 1995/96. Es wurde ihm eine ausgezeichnete Führung des Rates und der Verhandlungen attestiert. In seiner Antrittsrede als Ratspräsident rief Otto Schoch zu Toleranz und Verständnis für den Standpunkt des jeweils anderen auf und mahnte, "dass wir jene, die in politischen Fragen andere Auffassungen vertreten, durchaus nicht als Gegner zu betrachten brauchen". Er fuhr fort: "Wichtig und entscheidend ist vielmehr, dass ja möglicherweise die Auffassung des anderen ebenso sinnvoll, geradeso richtig oder vielleicht noch zweckmässiger sein kann als meine eigene Auffassung." (AB 1995 S 1080)

Otto Schoch genoss im Bundeshaus breites Ansehen. Seine Voten im Rat waren profund und rhetorisch brillant. Er brachte oft neue Ideen und Überlegungen in die Diskussion ein. Seine Vorstellungen vertrat er klar und geradlinig, häufig auch gewürzt mit einer Prise appenzellischen Humors. Oberste Richtschnur waren für ihn stets das Gesamtinteresse und das Allgemeinwohl. Sein offener und freier Geist und seine unvoreingenommene Art, an Sachthemen heranzugehen, prägten wichtige politische Geschäfte. So formulierte die von ihm geleitete Arbeitsgruppe Armeereform eine ganze Reihe von innovativen Anträgen und Empfehlungen. Ein grosser Teil dieser Vorschläge wurde danach Teil der Armee 95. Zu Recht gilt Otto Schoch auch als Vater des heutigen Krankenversicherungsgesetzes: Er präsidierte mit grosser Umsicht und Kompetenz die Expertenkommission, die den ersten Entwurf ausarbeitete.

Nach seinem Rücktritt als Ständerat war Otto Schoch von 1998 bis 2005 Ombudsmann für Radio und Fernsehen. Auch im Bankenbereich war seine Fähigkeit zum Schlichten gefragt; von 1999 bis 2008 präsidierte er die Stiftung Schweizerischer Bankenombudsmann.

Otto Schoch wurde von seinen Ratskolleginnen und -kollegen nicht nur als profilierter und eigenständiger Politiker mit echt liberaler Grundhaltung wahrgenommen, sondern auch als aufmerksamer Gesprächspartner und liebenswürdiger Kollege. Er schätzte die Geselligkeit, etwa in der Herisauer Vereinigung zur Pflege des sentimentalen Volksgesanges. Seine freie Zeit verbrachte er im Kreis seiner Familie, beim Lesen, Sporttreiben oder auf Hochgebirgstouren.

In späteren Jahren hinderte ihn die fortschreitende Parkinsonkrankheit leider zunehmend daran, Sport zu treiben und gesellschaftliche Kontakte zu pflegen. Auf eindrückliche Art arrangierte er sich mit dieser neuen Lebenssituation.

Wir werden Otto Schoch als hochgeachtete Persönlichkeit und lieben Menschen in guter Erinnerung bewahren. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen. [PAGE 1226]

Ich bitte Sie und die Besucher auf der Tribüne, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt