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Germann Hannes · Ständerat · 2014-09-22

Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2014-09-22

Wortprotokoll

Leider müssen wir diese Sessionswoche mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Ständeratspräsidenten Arthur Hänsenberger, der am 9. September im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Arthur Hänsenberger vertrat als Mitglied der FDP den Kanton Bern von 1979 bis 1991 im Ständerat. Zur Politik fand er durch seinen Beruf als Notar und Zivilstandsbeamter in Oberdiessbach. Als bernischer Notar auf dem Land lernte Arthur Hänsenberger die Sorgen und Nöte der Leute kennen und versuchte, ihnen auch durch sein politisches Engagement zu helfen. Von 1962 bis 1979 war er Mitglied des Berner Grossen Rates, den er 1973/74 präsidierte.

Arthur Hänsenberger war ein aktiver Ständerat. Er wirkte im Laufe seiner Amtszeit in neun ständigen Kommissionen mit, darunter der Kommission für auswärtige Angelegenheiten, der Geschäftsprüfungskommission und der Kommission für Wissenschaft und Forschung, sowie in über 130 Ad-hoc-Kommissionen, von denen er auch viele leitete. Er schätzte die Kommissionsarbeit sehr. Dort brachte er sein juristisches Fachwissen und seine liberale, freiheitliche Gesinnung in die Diskussion ein.

Im Frühjahr 1991 wählte ihn der Ständerat für den Rest des Jahres zum Nachfolger des im Amt verstorbenen Ständeratspräsidenten Max Affolter. In seiner Eröffnungsrede mahnte Arthur Hänsenberger zur Bescheidenheit und sagte: "Wir heutigen Politiker sollten uns hüten, zu meinen, ausgerechnet wir zufälligerweise gerade jetzt auf dieser Erde herumstolpernden Menschen seien klüger als diejenigen, die vor uns waren, oder diejenigen, die nach uns kommen." (AB 1991 S 221) Als kleines Mosaiksteinchen, so meinte er weiter, sollten wir dazu beitragen, unseren Nachkommen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Das heisse: "Mach, was du kannst, dort, wo du bist, mit dem, was du hast."

Mit grosser Freude übte Arthur Hänsenberger sein Präsidialamt aus. Vizepräsident Jakob Schönenberger attestierte ihm eine gekonnte Leitung und eine stets straffe, mit Liebenswürdigkeit gepaarte Führung der Verhandlungen.

Arthur Hänsenberger vereinte in sich von der mütterlichen Seite her die bernische nüchterne Behäbigkeit und väterlicherseits den lebhaften Schalk des Toggenburgers. Dank seiner ausgleichenden Persönlichkeit und seinem angeborenen Humor gelang es ihm immer wieder, zu vermitteln und Brücken zu bauen. Seine Ratskollegen schätzten an ihm seine seriöse Arbeit, seine Konsensfähigkeit und ebenso seinen Witz und seine fröhliche, umgängliche Art.

Anlässlich seines Rücktritts als Ständeratspräsident unterstrich Arthur Hänsenberger die Bedeutung des Zweikammersystems und die starke Berücksichtigung kleiner Einheiten in der Schweiz als Garanten für den Frieden zwischen den Sprachgruppen und den Kantonen. Er war überzeugt, dass es auch in Europa neben einem stärkeren Parlament eine Art gleichwertige Länderkammer brauche.

Neben Beruf, Familie und Politik nahm sich Arthur Hänsenberger auch immer wieder Zeit für Literatur, Theater und Reisen.

Seine ausgleichende Art hat dazu beigetragen, dass er später, von 1992 bis 1998, als erster Ombudsmann für das Schweizer Radio und Fernsehen DRS tätig war.

Wir werden Arthur Hänsenberger als hochgeachteten, liebenswürdigen und humorvollen Menschen und Politiker in guter Erinnerung bewahren. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.

Ich bitte die Ratsmitglieder und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.

[VS]

Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt