Schelbert Louis · Nationalrat · 2012-09-26
Schelbert Louis · Nationalrat · Luzern · Grüne Fraktion · 2012-09-26
Wortprotokoll
Block 6, zu dem wir jetzt sprechen, ist ein Sammelsurium von Themen; entsprechend unterschiedlich sind die Anträge.
Artikel 141, bei welchem ein Minderheitsantrag vorliegt, den ich vertreten darf, gehört zum Kapitel "Pflanzen- und Tierzucht". Erlauben Sie mir zunächst zwei Sätze zu den Pflanzen. Hierzu liegt ein Einzelantrag Graf Maya vor, der eine naturnahe und umweltfreundliche Zucht fördern will. Der Nationalrat hat das Anliegen mit der Annahme des Postulates 10.4152 bereits unterstützt. Im Kern geht es um die Förderung von resistenten, standortangepassten Sorten für nachhaltige Anbausysteme. Konkret überwiegt der Nutzen die Mehrkosten bei Weitem. Wie Sie zudem gehört haben, hat Kollege Germanier seinen Minderheitsantrag zurückgezogen. Das bedeutet, dass im Bereich der Forschung ebenfalls in diese zukunftsgerichtete Zuchtweise investiert werden soll. Es macht Sinn, dass man das auch bei der Zucht macht - sowohl bei der Pflanzen- wie auch bei der Tierzucht.
Bei den Tieren verhält es sich nämlich ähnlich: Hier wird die Förderung einer naturnahen, umwelt- und tierfreundlichen Zucht beantragt. Zum einen sollen die bestehenden Stärken der Schweiz in diesem Bereich gestärkt werden, zum anderen wird formell der Gesetzestext der Formulierung in der Bundesverfassung angepasst. Der Antrag zielt zum Beispiel bei den Rindern auf Tiere, die auf der Basis von einheimischem Gras gute Leistungen erbringen und dabei robust und langlebig sind. Das vermindert die Abhängigkeit von ausländischem Kraftfutter und reduziert die Emission von Treibhausgasen. Im Mittelpunkt der Zuchtprogramme würde nicht länger die Maximierung von Leistung beim einzelnen Tier stehen - zum Beispiel noch mehr Milch pro Tier oder noch mehr Fleisch pro Rind. Ziel der Züchtung müsste es vielmehr sein, das gesamte System zu optimieren. Zu denken ist auch an Hühner, die zwei Nutzen bringen: ansprechendes Fleisch und auch eine gute Legeleistung. Tatsache ist, dass auch im Tierbereich die Abhängigkeit von ausländischen Ressourcen wächst. Am extremsten ist das beim Geflügel auszumachen, wo weltweit nur noch ganz wenige private Züchter die Basislinien besitzen.
Zu Block 6 gehört auch die Frage des Gentech-Moratoriums. Sie haben es gehört: Die Kommission beantragt, dieses weiterzuführen. Das halte ich für richtig. Das Anbaumoratorium bewährt sich. Die Schweizer Landwirtschaft beweist mit guten Produkten, dass es genveränderte Produkte nicht braucht. Diese Linie findet nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Bevölkerung starken Rückhalt.
Das Moratorium behindert den Forschungsstandort Schweiz nicht. Es lässt der Forschung die Möglichkeit von Freisetzungsversuchen. Die Forschung wendet sich jedoch besser dem realen Wissensbedarf zu. Dieser liegt, wie vorher dargelegt, vor allem bei der Tier- und Pflanzenzüchtung, in Forschungsprogrammen, welche die gewünschten Eigenschaften in Bezug auf gute Leistungen, Erträge, Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit bringen. Nachhaltige Züchtungsmethoden haben ein grosses wirtschaftliches Potenzial.
Im Sinn dieser Ausführungen bitte ich Sie, dem Einzelantrag Graf Maya zuzustimmen, unseren Minderheitsantrag zu unterstützen und für das Gentech-Moratorium zu votieren.