Plattner Gian-Reto · Ständerat · 2001-11-29
Plattner Gian-Reto · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-11-29
Wortprotokoll
Sie wissen ja, was ich denke. Ich möchte nicht nochmals viel dazu sagen. Aber ich möchte Frau Langenberger sehr unterstützen, vor allem in der Kritik, die sie zur Antwort des Bundesrates angebracht hat. Diese Antwort hat auch mich sehr enttäuscht, und zwar der gleiche Satz: Der Bundesrat wolle prüfen, inwieweit zusätzliche Mittel ab dem Jahr 2005 ausgezahlt werden. Dass der Bundesrat das nicht in einer etwas direkteren Version schreiben konnte, tut mir weh. Die andere Bemerkung des Bundesrates, dass er für eine Neuzuteilung der Aktivitäten im Bereich der höheren Bildung - mit anderen Worten ein Zusammenschluss der Aktivitäten, die auf zwei Bundesämter und auf zwei Departemente verteilt sind - keinen Bedarf sehe, hat mich auch sehr enttäuscht.
Man sollte nicht meinen, dass es in der Schweiz mit der Forschungsförderung besonders gut steht. Wenn Sie sich in der Forschergemeinde umhören, was die betroffenen Leute darüber denken, stossen Sie auf erhebliche Kritik, die an vielen Punkten ansetzt, die aber alle in dieselben Schlüsse münden: Die Forscher werden es nämlich langsam leid, mit wie viel Bürokratie und Komplikationen sie sich herumschlagen müssen, um dann am Schluss doch nur zu sehr beschränkten Mitteln zu kommen.
Meine Kritik betrifft nicht jene, die nicht so tüchtig sind; die sind froh, dass es diese Gelder gibt. Es sind vor allem jene, auf die wir angewiesen wären, nämlich die wirklich Guten, die sich dann sagen: "Was soll ich da noch lange? Ich gehe anderswohin, wo man mir nicht so komplizierte und zum Teil auch sehr bürokratische Hürden in den Weg legt." Einer hat mir gesagt, dass es mittlerweile so ist, dass man auf dem Forschungsgesuch schon angeben muss, was man zu entdecken gedenke. Das kann man in der Forschung einfach nicht machen. Das zeigt auch, dass in vielen Förderungsinstitutionen eben eine viel zu stark zielgerichtete Unterstützung verbreitet ist, dass sie nicht bereit sind, die langfristige und in einem gewissen Sinne wertfreie und ziellose Grundlagenforschung wirklich zu fördern. Stattdessen gibt es immer mehr die Idee, nur Projekte zu unterstützen, nur klare Ziele, die kurzfristig erreichbar sind, zu genehmigen und das langfristige und wirklich innovative Forschen und Denken in den Hintergrund zu stellen.
Ich glaube, dass die Überweisung der Motion auch als Postulat notwendig ist. Es ist wirklich wichtig, dass man in diesem recht komplizierten Gebilde der Forschungsförderung, der Bildungssteuerung im Bund, nun anfängt, etwas zu verändern. Ich glaube, dass eben auch eine Zusammenfassung der Aktivitäten beim Bund unter einer Hand durchaus ein Ziel ist, das der Bundesrat in seinen Katalog übernehmen sollte.
Ich bitte Sie, alle fünf Punkte des Postulates Langenberger, wie ich es nun nennen will, an den Bundesrat zu überweisen.