Knecht Hansjörg · Nationalrat · 2015-05-05
Knecht Hansjörg · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-05-05
Wortprotokoll
Zu Beginn der kurzen Begründung meiner parlamentarischen Initiative lege ich noch meine Interessenbindung dar: Ich bin Geschäftsführer und Mitinhaber einer Getreidemühle und habe demzufolge auch mit der Annahme und Verarbeitung von Futter- und Brotgetreide zu tun.
Ich komme jetzt zu meiner parlamentarischen Initiative: Im Rahmen der Gesetzesberatung zur Agrarpolitik 2014-2017 wurde in Artikel 54 Absatz 1 neu Buchstabe b ins Landwirtschaftsgesetz aufgenommen. Dieser Buchstabe b legt fest, dass Einzelkulturbeiträge ausgerichtet werden können, damit eine angemessene Versorgung mit einheimischem Nutztierfutter gewährleistet ist. Damit hat das Parlament auf die für die Schweizer Tierproduktion beängstigende Situation reagiert, und es wurde der Grundstein für eine effektive Steuerung der Futtergetreidemenge in die richtige Richtung gelegt. Leider hat es der Bundesrat versäumt, in der Verordnung einen spezifischen Einzelkulturbeitrag für Futtergetreide einzuführen. Ja, ich muss es noch etwas härter formulieren: Er missachtet den Willen des Parlamentes, und es macht auch weiterhin nicht den Anschein, dass er von dieser Verweigerungshaltung abweicht. Darum sollte gehandelt werden. Ich bitte Sie, meiner parlamentarischen Initiative Folge zu geben.
In meiner Begründung gehe ich auf die folgenden drei Punkte ein: erstens die Entwicklung der Futtergetreideproduktion, zweitens die Wirtschaftlichkeit und drittens die Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerten Branchen.
Zur Entwicklung der Futtergetreideproduktion: Die Landwirtschaft in der Schweiz erfüllt höchste Anforderungen bezüglich Umwelt- und Tierschutz. Leider wird die inländische Futtergetreideproduktion seit Jahren systematisch zugrunde gerichtet. Die entsprechenden Futtergetreideflächen brachen in den letzten zwanzig Jahren um über 40 Prozent ein. Anfang der Neunzigerjahre lag die Inland-Futtergetreideproduktion noch bei über 800 000 Tonnen. Sie fiel bis 2013 auf noch 390 000 Tonnen. Demgegenüber vergrösserte sich die Grünlandfläche, das heisst die Fläche von Kunstwiesen, im gleichen Zeitraum um 40 Prozent. Das Direktzahlungssystem mit einem starken Fokus auf die Ökologisierung einerseits und eine leichte Steigerung der Fleisch- und Eierproduktion andererseits hatten zur Folge, dass die Kraftfutterimporte im obenerwähnten Zeitraum von 400 000 Tonnen auf rund 1 Million Tonnen zugenommen haben.
Dieser Negativtrend hält an. Die entsprechenden Saatgutverkäufe im Herbst 2013 sind nach bereits schlechten Werten im Jahr 2012 nochmals stark eingebrochen. Auch das Jahr 2014 hat keine Trendumkehr gebracht. Aufgrund spezieller Witterungsverhältnisse waren zwar sehr gute Erträge zu verzeichnen, aber auch eine schlechte Qualität. Entscheidend dabei ist: Die Fläche an Futtergetreide wie Gerste, Triticale usw. war im Jahr 2014 erneut rückläufig. Die Angaben zu den Saatgutverkäufen für die Aussaat 2015 zeigen ebenfalls keine Trendwende. Der Verkauf von Futterweizen geht um 11 Prozent, derjenige von Triticale um 3 Prozent und derjenige von Hafer ebenfalls um 3 Prozent zurück. Fazit: Diese Zahlen zeigen auf, dass die Landwirte weiterhin aus der Futtergetreideproduktion aussteigen.
Zur Wirtschaftlichkeit: Gebremst wird der Futtergetreideanbau durch die tiefe Rentabilität. Es ist nämlich leider eine Tatsache, dass der Bauer in der Schweiz heute mit Futtergetreide Geld verliert, und zwar im Umfang von 200 bis 500 Franken pro Hektare. Dass überhaupt noch Futtergetreide angebaut wird, hängt mit den Vorschriften über die Fruchtfolgeflächen zusammen.
Zu den Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerten Branchen: Ein weiterer Rückgang der Futtergetreideproduktion kann auch im Hinblick auf die Bedeutung der Swissness in der Fleisch- und Eierproduktion nicht mehr länger hingenommen werden. Immer häufiger wird die Branche entlang dieser Wertschöpfungskette mit der Frage konfrontiert, woher die Futtermittelrohstoffe für die inländische [PAGE 694] Tierproduktion stammen. Das Thema Swissness beschäftigt also stark. Eine Tierproduktion, die zu 70 Prozent von Importen abhängig ist, verliert dramatisch an Glaubwürdigkeit.
Eine starke landwirtschaftliche Produktion ist die Basis der ganzen Schweizer Lebensmittelindustrie. Ein weiterer Rückgang der Futtergetreideproduktion wird daher die ganze Nahrungsmittelkette in Mitleidenschaft ziehen, das heisst Schlachtbetriebe, Metzgereien, Logistikbetriebe, Mühlen, Lebensmittelverarbeitungsbetriebe usw. Auch das Baugewerbe wäre betroffen, denn Investitionen in neue Anlagen und Renovationen würden heruntergefahren. Viele Arbeitsstellen sind akut gefährdet - nicht von ungefähr unterstützt auch der Schweizerische Gewerbeverband meine parlamentarische Initiative.
Es muss nun gehandelt werden, bevor es zu spät ist. Deshalb bitte ich Sie, meiner Initiative Folge zu geben.