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Fetz Anita · Ständerat · 2015-09-16

Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-09-16

Wortprotokoll

Mit meinem Postulat möchte ich, dass der Bundesrat den Aufbau einer Datenbank prüft, damit ausländische Diplome besser interpretierbar und mit den schweizerischen Abschlüssen vergleichbar sind. Das ist insbesondere für kleinere Unternehmen enorm wichtig, die eben inländisches Fachpersonal fördern und das Potenzial nutzen wollen. Mehr als 40 Prozent der Migranten und Migrantinnen in der Schweiz haben einen Hochschulabschluss, der aber leider sehr schwierig mit unseren eigenen Abschlüssen zu vergleichen ist.

Der Bundesrat lehnt das Postulat leider ab, weil er andere Förderprojekte favorisiert und der Meinung ist, es gebe ja genug Anerkennungsverfahren. Das stimmt, Herr Bundesrat. Aber ich erzähle Ihnen jetzt einmal ein Erlebnis, das ich gehabt habe.

Ich habe einen Neffen, der in China aufgewachsen ist und dort seine Abschlüsse gemacht hat. Dann ist er in die Schweiz gekommen, und selbstverständlich musste er diese hier anerkennen lassen. Da ist er zu seiner Tante gekommen, weil er wusste, dass diese sich ja mit den Verwaltungsstrukturen auskennen muss. Ich kann Ihnen sagen: Ich musste von Pontius zu Pilatus gehen, um die entsprechenden Anerkennungen machen zu lassen. Natürlich gibt es die Anerkennungsverfahren, aber die sind derart föderalistisch und derart aufgesplittert, dass man enorm viel Energie braucht, um überhaupt an die zuständige Stelle zu gelangen. Stellen Sie sich einmal vor, wie es jedem normalen Menschen ergehen muss - erst recht, wenn er nicht in der Schweiz aufgewachsen ist und auch die entsprechenden Strukturen nicht kennt -, wenn ich, die ich mich einigermassen im Nirwana der Verwaltung auskenne, dabei an die Grenze stosse!

Gleichzeitig weiss ich, dass Deutschland eine hervorragende Datenbank hat, und zwar einerseits für die hochqualifizierten Studienabschlüsse, wo die Arbeitgeber bei ausländischen Bewerbungen sofort vergleichen können, was den deutschen Ausbildungsgängen entspricht. Andererseits existiert eine solche Datenbank für die nichthochschulorientierten Ausbildungen. Das ist einfach, klar, überblickbar: einfach einloggen, dann kann man die Vergleiche machen. Ich stelle mir vor, dass die Schweiz das auch haben sollte, und ich möchte, dass Sie das wenigstens überprüfen.

Zum Schluss meine Frage: Haben Sie Ihre Leute einmal diese deutsche Datenbank überprüfen lassen, und gäbe es dort nicht auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit? Die Anerkennungsverfahren, wie wir sie heute haben, wo man von Pontius zu Pilatus gehen muss, geschätzter Herr Bundesrat - das geht in einer modernen Welt einfach nicht mehr.

Ich bitte Sie also, das Postulat anzunehmen. Sie sagen damit nicht, dass man eine Datenbank aufbauen muss, [PAGE 876] sondern Sie sagen damit: Bundesrat, schau mal, ob du das machen kannst und ob man nicht mit den Deutschen zusammenarbeiten könnte.