Munz Martina · Nationalrat · 2015-09-17
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-09-17
Wortprotokoll
Die Juso machen sich Sorgen über die Welt von morgen. Sie fordern eine gerechtere Welt. Ich verleihe mit meinem Votum der engagierten Juso-Politikerin Seraina Fürer aus Schaffhausen eine Stimme.
"Ein Skandal!": Diese Worte fand Papst Franziskus vor etwa einem Jahr für die Nahrungsmittelspekulation. Ein Skandal! Doch damit hatte der Papst nicht Recht. Die Spekulation beim Handel mit Nahrungsmitteln an den Terminbörsen diente lange Zeit der Preisabsicherung für die Bauern und Bäuerinnen, das haben wir heute schon gehört. Mit der Liberalisierung des Finanzmarktes verlor die Nahrungsmittelspekulation jedoch jeglichen Bezug zum realen Warenaustausch, und ein hochspekulatives Geschäftsfeld entstand. Die zunehmende Attraktivität der Nahrungsmittelspekulation führte dazu, dass vor zwei Jahren nur noch 3 Prozent der Rohstofftermingeschäfte zu einer Warenlieferung führten. An der Börse von Chicago wurde bereits das Siebenfache - das Siebenfache! - der weltweiten jährlichen Weizenernte gehandelt. Diese Abkoppelung vom realen Warenaustausch hat gravierende Folgen.
Es kann nicht sein, dass Grossbanken, Kantonalbanken und Pensionskassen sich an den steigenden Nahrungsmittelpreisen nach wie vor eine goldene Nase verdienen, während diese in armen Ländern zu Hunger und Elend führen. Schon ein geringer Preisanstieg wird für viele Menschen zur Überlebensfrage, da sie bereits heute bis zu 90 Prozent des Haushaltgeldes für Grundnahrungsmittel ausgeben. Ein Preisanstieg bedeutet für diese Familien, dass sie sich keine gesunden Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse mehr leisten können, dass sie ihr ganzes Hab und Gut verkaufen müssen, um sich ernähren zu können, und dass für Bildung und Gesundheit kein Geld mehr übrig bleibt. Doch damit nicht genug: Während die Nahrungsmittelpreise aufgrund von spekulativen Preisblasen steigen, kämpfen Bauern mit ausländischen Konkurrenzprodukten und verkaufen sich ihre lokalen Produkte nur noch schlecht.
Das dreckige Geschäft der reinen Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln muss endlich verboten werden! Die Profitmacherei der Banken, Pensionskassen und Rohstoffunternehmen mit dem Hunger ist kein Skandal, sondern ein Verbrechen auf dem Rücken der Ärmsten dieser Welt. Nahrungsmittel gehören auf den Tisch und nicht an die Börsen. Deshalb braucht es ein Ja zur Spekulationsstopp-Initiative der Juso.