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Jenny This · Ständerat · 2001-12-13

Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-12-13

Wortprotokoll

Der Wolf hat uns in der Jugend beschäftigt, und jetzt beschäftigt er uns halt wieder - aber es ist ja immerhin zwei, drei Jahre her. Als Mitunterzeichner der Motion stehe ich nach wie vor hinter dem Anliegen von Kollege Maissen, und zwar erstens - das wurde gesagt - weil unser Land bezüglich Topographie für den Wolf nicht geeignet ist, und zweitens, weil unser dicht besiedeltes Land nichts zur Arterhaltung beitragen kann und auch nichts beitragen wird. Das ist auch nicht nötig. In den Nachbarländern gibt es genügend Wolfspopulationen. Besonders stossend - auch das ist gesagt worden - ist die Tatsache, dass der Wolf zuerst 50 Schafe gerissen haben muss, bis er abgeschossen werden darf. Das ist vor allem aus tierschützerischen Überlegungen stossend. Es handelt sich hier um Nutztiere, die sich in der Umzäunung verheddern, über Felswände stürzen oder sonst sehr oft einen qualvollen Tod, einen grauenhaften Tod sterben. Das steht im Gegensatz zur Situation beim Luchs: Der Luchs jagt seine Beute nur zum Überleben, um den Hunger zu stillen, während der Wolf in einen eigentlichen Blutrausch verfällt und wahllos Muttertiere und kleine Schafe reisst. Wenn irgendein Hund - ich will die Hundehalter nicht in Schutz nehmen - irgendwo ein Kitz oder irgendetwas reisst, dann geht eine Welle der Empörung durch dieses Land. Es werden sofort Leinenzwang und Maulkorbzwang gefordert. Ich will recht verstanden werden: Dieses Verhalten eines Hundes ist nicht zu tolerieren, aber was wir hier mit dem Wolf machen, das steht ganz im Gegensatz zu unserer Haltung, wenn es um einen Hund geht. Man wird mir nun entgegenhalten: Katzen, Vögel oder Schlangen gehen mit ihren Opfern auch nicht unbedingt human um. Nun, Katzen hält man natürlich, um die Mäuse zu dezimieren, das ist erwünscht. Aber Schafe sind im Gegensatz zu Mäusen keine Plage.

Letztlich stellt sich auch die Frage: Wollen wir in den Gebirgstälern ein Alpenreservat erhalten, wo die Tiere geschützt und die Menschen vertrieben werden? Auch diese Frage wird man sich irgendeinmal stellen müssen. Aber ein Reservat ist nicht die Zukunft der Bergler, die Bergler wollen ihre Zukunft auch in diesem Bereich selber in die Hände nehmen. Es gibt keine Region, die auf eine einschlägige Erfahrung zurückblicken kann, in der sich die Bevölkerung für ein Abschussverbot aussprechen würde. Das ist doch relevant. Was machen die Leute, welche mit diesem Problem konfrontiert sind? Es ist auch keine Frage der Entschädigung. Oder versuchen Sie einmal, eine besorgte Tierhalterin, deren Katze soeben von Ihrem bösen Hund gerissen worden ist, mit einer Hunderternote zu trösten. Sie werden mit Ihrer Hunderternote keinen nachhaltigen Erfolg haben.

Ich bin kein Freund der unbewachten Schafalpung, aber das "Konzept Wolf Schweiz" ist in der Tat das falsche Konzept. Ob wir nun den Wolf aus der Liste der schützenswerten Arten streichen oder nicht, überleben wird er so oder so nicht, wie Figura zeigt. Er fällt der Selbstjustiz zum Opfer, wenige, sehr wenige werden legal erlegt werden, und andere - oh Schreck - erleiden einen Unfall. Aber leben tun sie alle nicht mehr. Ich schlage vor, wir verwenden unsere Energie für andere, wichtigere Sachen. Das hier ist unergiebig, schafft Emotionen. Wir sollten unsere Energie wirklich für andere Themen aufsparen als für dieses hier.

Frau Forster reklamiert hinter mir; jetzt hat sie den ganzen Morgen gesprochen, und wenn andere sprechen, sagt sie, man solle sich doch bitte kürzer fassen. (Heiterkeit)

Ich bitte Sie, diese Motion zu überweisen. Ich danke auch der guten Kollegin Forster, dass sie zugehört hat.