Grossen Jürg · Nationalrat · 2015-12-01
Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2015-12-01
Wortprotokoll
Wer kann ernsthaft gegen eine Volksinitiative sein, die eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft will?
Selbstverständlich kann man sich über Details streiten; ich bin auch gegen eine bürokratische Umsetzung solcher politischen Grundsatzforderungen. Aber das Ziel dieser Initiative ist absolut sinnvoll und für eine Volkswirtschaft wie die unsere unbedingt anzustreben. Ob wir dieses Ziel eines Fussabdrucks von einer Erde bis 2050 ganz genau erreichen oder nicht, steht zwar in den Sternen, aber auf den Weg machen müssen wir uns ohnehin. Das zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass der Bundesrat mit der Stossrichtung der Initiative einverstanden ist und einen entsprechenden Gegenvorschlag vorgelegt hat. Bei der Beratung des Umweltschutzgesetzes hat sich nun aber gezeigt, dass unser Parlament zumindest noch nicht bereit ist, langfristig Verantwortung zu übernehmen. Das macht mich nachdenklich und ehrlich gesagt auch wütend. Wie erklären Sie meinen und Ihren Kindern, dass wir das Ziel einer echt nachhaltigen und ressourceneffizienten Wirtschaft nicht anstreben wollen?
Noch nie in der Weltgeschichte hat eine Gesellschaft auf einem derart hohen Wohlstandslevel gelebt, wie wir das momentan hier in der Schweiz tun. Selbstverständlich ist nachhaltiges Wirtschaften kein Sonntagsspaziergang, sondern setzt Innovation und Ambition voraus und führt entsprechend auch zu beachtlichen Investitionen. Aber gerade diese Investitionen können und müssen wir uns leisten, denn sie zahlen sich mittel- bis langfristig mehrfach aus und machen uns zu einem Vorbild für nächste Generationen und für andere Länder dieser Erde.
Weshalb sollten wir uns also keine nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaft leisten? Nur weil wir uns kurzfristig bereichern und eine grenzenlose Verbrennungs- und Verschwendungsparty feiern wollen? Ich denke: nein. Weil andere auf diesem Planeten auch nicht nachhaltig wirtschaften, zeigen die Gegner der Initiative mit dem Finger auf andere Länder und sagen - wir haben es gehört -: Schaut, schaut, die Chinesen, die Amerikaner und andere leben auch über ihre Verhältnisse! Dann singen sie zusammen mit einigen Wirtschaftsverbänden wie dem Schweizerischen Gewerbeverband und der Economiesuisse auch noch das Hohelied vom Musterknaben Schweiz und lehnen alle Bestrebungen in Richtung Nachhaltigkeit ab. Ich sage hier bewusst "mit einigen Wirtschaftsverbänden", denn in der realen Wirtschaft der Schweiz gibt es unzählige Unternehmen, welche längst den Kurs der vorliegenden Initiative eingeschlagen haben, insbesondere viele KMU.
Die Ziele der Initiative sind umsetzbar, sogar mit einem Gewinn an Lebensqualität, Frau Fiala; die Initiative ist nicht mit Armut gleichzusetzen. Ich persönlich lebe und arbeite in einem Plusenergiehaus, bewege mich zu Fuss, mit dem Fahrrad, mit der Bahn und mit dem Elektroauto - notabene mit Strom vom eigenen Dach - und schone damit die Ressourcen, ohne eine Komforteinbusse in Kauf nehmen zu müssen. Im Gegenteil, der Komfort ist sehr hoch, und das Gefühl ist befreiend. Ich kann diese Lebens- und Arbeitsweise nur weiterempfehlen. Ich brauche die Ölscheichs nicht und schicke damit auch kein Geld an zweifelhafte und teilweise kriegerische Staaten und terroristische Organisationen. Ich will selbstverständlich niemanden zwingen, genauso zu leben. Aber die Weichen möchte ich in die richtige Richtung stellen.
Übernehmen Sie Verantwortung, und empfehlen Sie die Initiative "für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft" zur Annahme! Unsere Kinder werden dankbar dafür sein.