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Munz Martina · Nationalrat · 2015-12-01

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-12-01

Wortprotokoll

Wir brauchen eine ökologische Schuldenbremse. Die Schuldenbremse hat in unserem Finanzhaushalt längst Einzug gehalten, jetzt braucht es auch eine Schuldenbremse für den Bereich Umwelt. Den Kindern wird schon früh beigebracht, dass aus einem Portemonnaie nicht mehr herausgenommen werden kann, als man zuvor hineingelegt hat. Genauso ist es mit unserer Umwelt. Wir sollten nur nutzen, was sich natürlich regeneriert oder wieder nachwächst.

Einem verwöhnten Kind diese Portemonnaie-Regel beizubringen ist schwierig, zugegeben. Ein Kind, das sich auf seine kindliche Art ungestraft aus fremden Portemonnaies bedient, wird ein Riesengeheul veranstalten, wenn man ihm dies verbietet. Das wäre für dieses verwöhnte Kind sicher schmerzlich, aber nötig. Verhalten wir uns nicht wie dieses verwöhnte Kind? Bedienen wir uns nicht aus fremden Ressourcen? Würde dieses Kind erklären, es brauche dieses Geld aus fremden Portemonnaies für sein ganz persönliches Wohl, dann hätten Sie bestenfalls ein müdes Lächeln übrig für ein derart verwöhntes, uneinsichtiges Kind und würden die Regeln mit Nachdruck durchsetzen. [PAGE 1957]

Warum - das frage ich Sie - setzen wir bei den Finanzen und bei der Umwelt nicht gleiche Massstäbe? Warum gibt es eine finanzielle Schuldenbremse, aber keine ökologische Schuldenbremse? Wir leben seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse. Genau gleich, wie in der Finanzwelt der Bankrott auf die Uneinsichtigen wartet, wartet auf uns der ökologische Kollaps.

Die Schweiz verbraucht oder beansprucht für ihre Bedürfnisse 4,3-mal mehr Fläche, als ihr zusteht. Wir plündern oder bedienen uns also aus über drei zusätzlichen Portemonnaies. Zugegeben, es ist ein ehrgeiziges Ziel, uns bis ins Jahr 2050 auf den Verbrauch einer einzigen Erde zu reduzieren. Diese Initiative ist aber tatsächlich unsere Chance.

Kreisläufe schliessen, Rohstoffe effizient einsetzen, auf erneuerbare Energie setzen - davor muss sich die Schweizer Wirtschaft nicht fürchten. Im Gegenteil, eine Wirtschaft, die diese Entwicklung verschläft, hat verloren. Bestes Beispiel dafür sind unsere Energiekonzerne wie Axpo und Co., die mit ihrer rückwärtsgerichteten Politik daran sind, unser Volksvermögen zu verschleudern.

Die Wirtschaft muss besser früher als später auf Nachhaltigkeit umsteigen. Die grüne Wirtschaft ist die Wirtschaft der Zukunft und wird sich zum Exportschlager entwickeln. Verschlafen wir diesen Trend nicht! Auch bodenständige Wirtschaftskreise wie Holzbau Schweiz haben die ökonomische Bedeutung der Nachhaltigkeit erkannt. Hans Rupli von Holzbau Schweiz erwartet, dass die neue Klima- und Energiepolitik in der Schweiz einen Umsatz von etwa 22 Milliarden Franken generieren wird. Er rechnet zudem mit der Schaffung von etwa 16 000 Arbeitsplätzen. Vor allem bei den Gebäudesanierungen wird ein Boom ausgelöst. Würgen wir diesen Wirtschaftsmotor nicht ab! Die grüne Wirtschaft ist nicht nur ökologisch, sie ist auch ökonomisch sinnvoll.

Die Erhaltung unseres Ökosystems muss uns eine Schuldenbremse wert sein - jetzt eben auch eine ökologische Schuldenbremse. Empfehlen Sie deshalb die Initiative "für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft" zur Annahme!