Markwalder Christa · Nationalrat · 2015-12-09
Markwalder Christa · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2015-12-09
Wortprotokoll
Wir verabschieden heute unsere Bundeskanzlerin Corina Casanova, die während zwei Legislaturen ihre Rolle und Aufgaben kompetent, diskret und erfolgreich erfüllte.
Aufgewachsen ist die erste Bundeskanzlerin mit rätoromanischer Muttersprache in Tarasp und Ruschein. Die gelernte Juristin arbeitete zunächst als Anwältin und danach während mehrerer Jahre als Delegierte des IKRK in Afrika und Lateinamerika. Ihre beeindruckende Sprachgewandtheit kam ihr dabei zugute.
Beim Bund arbeitete sie ab 1992 vier Jahre lang als Informationsbeauftragte der Parlamentsdienste. Danach wechselte sie in den Stab des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten. 2002 erfolgte die Wahl zur stellvertretenden Generalsekretärin des EDA. Im Jahr 2005 ernannte sie der Bundesrat zur Vizekanzlerin. Zwei Jahre später wählte sie das Parlament zur Bundeskanzlerin.
Unter ihrer Leitung hat die Bundeskanzlei bedeutende Reformen durchgeführt, um die Regierung wirksam zu unterstützen. Dazu gehören etwa der Aufbau eines Präsidialdienstes zur Beratung und Unterstützung der Bundespräsidentin oder des Bundespräsidenten sowie eine kontinuierliche Lage- und Umfeldanalyse zuhanden des Bundesrates. Wichtige Schritte wurden auch auf dem Gebiet der Digitalisierung von staatlichen Dienstleistungen gemacht, die von Frau Casanova stark vorangetrieben wurde. Weiter erfolgte mit dem revidierten Publikationsgesetz der Übergang zum [PAGE 2326] Primat der elektronischen Fassung des Bundesrechts: Ab 1. Januar 2016 ist für die amtlichen Veröffentlichungen die elektronische Fassung rechtsverbindlich. Im Bereich Kommunikation wurden die Produkte ausgebaut und der Zeit entsprechend angepasst. Die Kommunikation des Bundesrates wurde professionalisiert. Dank Corina Casanova ist der Bundesrat heute auch in den sozialen Medien präsent. Im Bereich der politischen Rechte sorgte die Bundeskanzlerin zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den reibungslosen Ablauf der eidgenössischen Wahlen 2011 und 2015 sowie von Dutzenden eidgenössischen Abstimmungen.
Corina Casanova verstand ihre Funktion stets als Dienstleistungsstelle für Bundesrat und Volk. In einem Zeitungsartikel wird sie zu Recht als "die klassische loyale und integre Staatsdienerin" bezeichnet. Ihr Markenzeichen war das Lenken im Hintergrund. Bundesratssitzungen wurden von ihr professionell vorbereitet, was bestimmt zum guten Funktionieren des Gremiums beigetragen hat. Im Vordergrund stand nie ihre Person, sondern stets die Sache. Ihre Scharnierfunktion zwischen Parlament und Bundesrat nahm sie mit viel Sachverstand wahr.
Ein besonderes Anliegen war ihr auch eine angemessene Sprachenvertretung in der Verwaltung. Für ihr Engagement für die rätoromanische Sprache und eine viersprachige Schweiz erhielt Corina Casanova mehrere Preise und Auszeichnungen. An einer dieser Ehrungen durfte ich vor vier Jahren die Laudatio halten.
Weiter warb sie immer für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Politik. Dass es im neugewählten Nationalrat so viele Frauen gibt wie noch nie, wird Frau Casanova mit besonderer Freude zur Kenntnis genommen haben.
Vor einem halben Jahr kündete sie ihren Rücktritt auf die kommende Legislatur an. Sie wolle neuen Kräften Platz machen, erklärte sie. Nun bleibt Corina Casanova wieder mehr Zeit für das Privatleben, für Reisen in ferne Länder und für Sport in ihren Bündner Bergen. Wir mögen es ihr von Herzen gönnen.
Ich danke Ihnen, Frau Casanova, geschätzte Frau Bundeskanzlerin, für Ihre grosse und erfolgreiche Arbeit für unser Land und für unsere staatlichen Institutionen und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute! (Stehende Ovation) Frau Bundeskanzlerin Casanova wünscht einige Worte an die Bundesversammlung zu richten.