Widmer-Schlumpf Eveline · Bundesrat · 2015-12-10
Widmer-Schlumpf Eveline · Bundesrat · Graubünden · 2015-12-10
Wortprotokoll
Ich habe auch etwas gestaunt über das Votum von Herrn Nationalrat Schwander, und zwar aus folgendem Grund: Es geht bei dieser Position um das Natürlichste der Welt. Wir haben seit Jahren in unserer Bundesverfassung einen Artikel, der besagt, dass alle, Frauen und Männer, in der Schweiz gleich zu behandeln sind, und wir haben seit vierzig Jahren ein Gleichstellungsgesetz, das ebenso klar ist. Darüber sollte man also nicht mehr sprechen müssen, es sollte selbstverständlich sein. Da ist es schon erstaunlich, wenn man sagt, eine Lohndifferenz um die 8 Prozent sei zu tolerieren. Ich meine, in anderen Bereichen tolerieren wir auch nicht Abweichungen von 8 Prozent oder mehr. Hinzu kommt: Die 8 Prozent, die erwähnt worden sind, sind ein Durchschnitt. Es gibt Branchen, und zwar solche mit qualifizierten Berufen, in denen die Abweichung bis zu 20 Prozent beträgt. Es ist für mich nicht einfach, das zu übersehen und zu sagen, das gehöre nun [PAGE 2121] einmal dazu. Wie wollen Sie so Frauen und Männer motivieren, tatsächlich im Berufsleben zu stehen und gleichzeitig allenfalls noch, was für die Schweiz auch wünschbar ist, eine Familie mit Kindern zu haben?
Man kann sich doch nicht für die Fachkräfte-Initiative starkmachen - das wollen wir tun, wir wollen inländische Frauen auf dem Wirtschaftsplatz haben - und gleichzeitig Projekte, die dazu dienen, die dafür nötige Struktur zu schaffen, nicht unterstützen! Ich verstehe das nicht ganz. Ich möchte Sie schon bitten, konsequent zu sein: Wenn Sie zur Fachkräfte-Initiative Ja sagen und wollen, dass wir in allen Alterskategorien vermehrt inländische Frauen und Männer im Arbeitsprozess haben, dann können Sie hier nicht Nein sagen, dann gibt es hier nur ein Ja.
Ich möchte Sie wirklich bitten, zu dieser Position Ja zu sagen.