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Strahm Rudolf · Nationalrat · 2002-03-06

Strahm Rudolf · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-03-06

Wortprotokoll

Ich nehme Stellung zur Interpellation "Akuter Mangel an Informatikpersonal" der SP-Fraktion. Diese Interpellation ist vor genau zwei Jahren eingereicht worden. In der Zwischenzeit ist in der Wirtschaft und auch in der Informatik- und Telekommunikationsszene einiges abgelaufen. Ich möchte einen Punkt der bundesrätlichen Antwort und der bundesrätlichen Praxis herausgreifen, die ich gut finde. Weiter möchte ich einen Punkt erörtern, mit dem ich nicht einverstanden bin, und dann Herrn Bundesrat Pascal Couchepin eine Frage stellen.

Ich möchte den Bundesrat darin unterstützen und ihm dafür danken, wie er auf die ziemlich nervösen Begehren vor zwei Jahren bezüglich Informatikpersonal reagiert hat. Sie erinnern sich, dass die Schweizerisch-Amerikanische Handelskammer sehr dringlich die Öffnung des Arbeitsmarktes forderte. Sie forderte die Rekrutierung von Informatikpersonal in Osteuropa und in Indien. Der Bundesrat ist relativ hart geblieben und hat gezeigt, dass die Kontingente noch längst nicht ausgeschöpft sind. Er hat diesem Begehren auch nicht nachgegeben. Das finde ich auch im Rückblick eigentlich richtig, das ist richtig berechnet worden. Jene Firmen, die selber kein Personal ausbilden und kein Personal in der Informatikpraxis qualifizieren, haben am stärksten nach einer Öffnung gerufen.

In einem zweiten Punkt bin ich allerdings mit der Antwort des Bundesrates und mit seiner Praxis nicht einverstanden: Der Bundesrat hat wiederholt behauptet, mit dem Niedergang der New Economy sei auch der Informatikerbedarf erledigt.

Das ist meines Erachtens eine Fehleinschätzung, weil nämlich der Strukturwandel in der Wirtschaft hin zur Wissensgesellschaft weitergeht. Die Informatik ist eben nicht nur die New Economy, sondern sie greift quer über alle Branchen. Die Informatisierung - Sie sehen das auch aus einer Analyse der Deutschen Bank - ist eine Querdimension, die alle Sektoren erfasst. Deswegen - das ist die Fehlbeurteilung des Bundesrates - kann man nicht einfach sagen: Wir bilden so und so viele Informatikerinnen neu aus. Man muss auch fragen, wie viele heute schon Beschäftigte umgeschult und weitergebildet werden. Der Verband "Informatik Schweiz", der Dachverband der Informatikinteressengruppen, hat berechnet, dass auch in den nächsten Jahren Informatikpersonal fehlt, vor allem auch in den angewandten Bereichen der einzelnen Branchen.

Zur Frage an Herrn Bundesrat Couchepin: Was ist jetzt die weitere "policy" in Bezug auf Umschulung von Beschäftigten, die bereits einen Beruf haben? Es geht darum, nicht nur Junge zu Informatikern auszubilden, sondern auch Leute, die schon einen Beruf haben, in ihrer Branche zu Informatikern aus- und weiterzubilden oder umzuschulen. Ich finde einfach, es wäre eine enorm positive Leistung, wenn der Bund gerade für die Wirtschaft und für die KMU aktiv würde. Ich finde es ein Staatsversagen, wenn er sich einfach vom Strukturwandel abmeldet und diesen Strukturwandel in Richtung Informationsgesellschaft nicht durch Weiterbildung absichert. Ich denke konkret - das ist meine Frage -: Sollte nicht der Bund beim Erstellen von Weiterbildungsmodulen aktiv werden, bei der Finanzierung, Koordination und Zertifizierung auf Bundesebene, damit wir den Wirrwarr, der heute bei der Informatikweiterbildung besteht, auch für den Binnenmarkt Schweiz, für den Arbeitsmarkt, einigermassen entwirren können? Wir haben heute eine Fülle von verschiedenen privaten Zertifikaten. Welcher Personalchef weiss schon, welches Zertifikat wie viel Wert hat?

Hier hätte der Staat eine Aufgabe. Das kostet nicht allzu viel. Sie haben das ICT-Umschulungsgesetz einfach schnöde gebodigt. Wenn überhaupt nichts geschieht, ist das ein Mangel. Herr Bundesrat, meine Frage lautet: Was gedenken Sie im Bereich der Umschulung zu tun?

Abschliessend muss ich sagen, dass sich die SP-Fraktion von Ihrer Interpellationsantwort teilweise befriedigt erklärt.